Neu veröffentlichte Regierungsdokumente haben ein Schlaglicht auf die Verwundbarkeit Großbritanniens auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges geworfen. Die Unterlagen legen dar, welche Teile des Landes im Falle eines sowjetischen Atomangriffs als wahrscheinliche Ziele galten.
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Freigegebene Unterlagen aus den frühen 1970er-Jahren zeigen, dass 38 Städte und Gemeinden im gesamten Vereinigten Königreich im Rahmen von Notfallplanungen für einen möglichen Konflikt mit der Sowjetunion als wahrscheinliche Atomziele identifiziert wurden, berichtet der Daily Express.
Die inzwischen im Nationalarchiv aufbewahrten Akten enthalten Bewertungen aus der Amtszeit von Edward Heath als Premierminister. Militärplaner erstellten eine Liste von Standorten, die als besonders gefährdet galten, falls die Feindseligkeiten in einen Atomkrieg eskaliert wären.
Insgesamt wurden 106 Orte als „wahrscheinliche Atomziele“ eingestuft, darunter sowohl zivile Bevölkerungszentren als auch strategische militärische Infrastruktur.
Markierte Militärstandorte
Neben den genannten Städten und Gemeinden hoben die Pläne zentrale Verteidigungsanlagen hervor. Dazu zählten 23 RAF-Stützpunkte, 14 in Großbritannien betriebene Stützpunkte der United States Air Force, zehn Radarstationen, acht militärische Kommandozentralen und 13 Stützpunkte der Royal Navy.
Beamte wiesen damals darauf hin, dass sich die Zahlen speziell auf mögliche Atomschläge bezogen. Die Zahl der Ziele hätte höher ausfallen können, wenn auch konventionelle Waffen in die Planungen einbezogen worden wären.
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Obwohl die Liste die strategische Lage Großbritanniens von vor mehr als 50 Jahren widerspiegelt, sagen Analysten, dass solche Archive Einblicke darin geben, wie das militärische Denken des Kalten Krieges die nationale Verteidigungspolitik geprägt hat.
Die Veröffentlichung erfolgt vor dem Hintergrund erneuter Spannungen zwischen Moskau und westlichen Hauptstädten nach Russlands Invasion in der Ukraine.
Aktuelle Warnungen
In jüngsten, von britischen Medien zitierten Äußerungen warnte der russische Senator Dmitri Rogosin, Standorte im Vereinigten Königreich könnten in einer künftigen Konfrontation Risiken ausgesetzt sein.
Seine Kommentare folgten auf Kritik am ehemaligen britischen Verteidigungsminister Ben Wallace wegen Äußerungen, die Krim aus russischer Sicht „unbewohnbar und unhaltbar“ zu machen.
Identifizierte Städte
Dem Daily Express zufolge wurden in den Dokumenten aus der Zeit des Kalten Krieges folgende Städte und Gemeinden aufgeführt:
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Armagh, Belfast, Brecon, Birmingham, Bristol, Cambridge, Cardiff, Catterick, Central London, Chatham, Cheltenham, Coventry, Dover, Edinburgh, Gillingham, Glasgow, Hull, Huddersfield, Kidderminster, Leeds, Leicester, Liverpool, Maidstone, Manchester, Newcastle/Gateshead, Nottingham, Preston, Reading, Rochester, Salcombe, Sheffield, Southampton, Stoke-on-Trent, Sunderland, Swansea, Teesside, Wolverhampton und York.
Quellen: UK National Archives, britische Medienberichte