Die Trump-Regierung ist mit der Europäischen Union nicht zufrieden.
Der Druck innerhalb der Europäischen Union wächst, nachdem einer der führenden Beamten des Blocks öffentlich die Trump-Regierung beschuldigt hat, Europas Einheit aus strategischen Gründen schwächen zu wollen.
Kaja Kallas, die EU-Außenbeauftragte, warnte am Sonntag, Washington sehe eine geeinte Europäische Union eher als geopolitischen Rivalen denn als engen Partner, und forderte die Mitgliedstaaten auf, keine separaten Abkommen mit der Regierung von Donald Trump anzustreben.
EU befürchtet Teile-und-Herrsche-Strategie
Auf der Lennart-Meri-Konferenz in Tallinn erklärte Kallas, die Vereinigten Staaten profitierten davon, mit europäischen Ländern einzeln zu verhandeln, anstatt einem koordinierten Block gegenüberzustehen, dessen wirtschaftliches und politisches Gewicht mit dem der größten Weltmächte vergleichbar sei.
„Sie mögen die EU nicht, das ist sehr klar“, sagte Kaja Kallas während der Konferenz in Estland, laut Politico.
Laut Kallas hegten sowohl China als auch Russland ähnliche Frustrationen gegenüber der Europäischen Union, da die Einheit innerhalb des Blocks auf internationaler Ebene größeren Einfluss schaffe.
Mehrere europäische Regierungen haben direkte Kommunikationskanäle zu Washington aufrechterhalten, seit Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, wobei sich Staats- und Regierungschefs in Ländern wie Italien bemühten, sich als Vermittler zwischen Brüssel und der amerikanischen Regierung zu positionieren.
Sorge wächst in Brüssel
Kallas warnte, einige EU-Mitgliedstaaten schienen zunehmend versucht, nationale Beziehungen zu Washington über eine breitere europäische Koordination zu stellen.
„Ich bin sehr besorgt, denn manchmal sehe ich Länder diesen Weg gehen“, sagte Kaja Kallas.
Die ehemalige estnische Premierministerin argumentierte, eine solche Fragmentierung schwäche letztlich Europas Verhandlungsposition und erleichtere externen Einfluss.
China-Herausforderung weiterhin ungelöst
Jenseits der Spannungen mit Washington sprach Kallas auch Europas breiteren strategischen Kampf mit China an.
Sie behauptete, europäische Staats- und Regierungschefs seien sich weitgehend über das Ausmaß der von Peking ausgehenden Herausforderung einig, blieben aber uneinig darüber, wie aggressiv der Block wirtschaftlich reagieren solle.
Kallas verglich Europas derzeitige Subventionen für die Industrie mit „Morphium“, was darauf hindeute, dass vorübergehende finanzielle Unterstützung den Druck zwar lindern, aber tiefere strukturelle Schwachstellen nicht beheben könne.
Aggressivere Wirtschaftsinstrumente – darunter strengere Kontrollen ausländischer Investitionen, Beschaffungsbeschränkungen und die Diversifizierung von Lieferketten – blieben politisch heikel, da Vergeltungsmaßnahmen Chinas befürchtet würden.
Europa steht am strategischen Scheideweg
Europäische Beamte befürchten zunehmend, der Kontinent könnte zwischen wachsender amerikanischer Unberechenbarkeit und expandierendem chinesischem Einfluss gefangen werden.
Kallas betonte, Europas Stärke hänge stark von der Aufrechterhaltung der Einheit ab in einer Zeit, in der mehrere Großmächte interne Spaltungen innerhalb des Blocks auszunutzen schienen.
Die Debatte über Europas zukünftige strategische Ausrichtung dürfte sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen, da Handelsspannungen, Sicherheitsbedenken und diplomatische Streitigkeiten die Beziehungen zwischen Brüssel, Washington und Peking weiterhin neu gestalten.