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Europa wendet sich von US-Technologie ab, während der deutsche Geheimdienst Palantir brüskiert

Palantir, logo
Ned Snowman / Shutterstock.com

Europäische Behörden wenden sich zunehmend von US-Tech-Unternehmen ab, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.

Wenn Regierungen Bedrohungen jagen, sind die digitalen Werkzeuge, die sie verwenden, entscheidend.

Sie bergen die sensibelsten Geheimnisse.

Nun verabschiedet sich eines der größten Länder Europas offiziell von einem amerikanischen Tech-Riesen, um seine Daten im eigenen Land zu behalten.

Eine europäische Wende

Der deutsche Inlandsgeheimdienst, bekannt als BfV, wählte ein französisches Unternehmen für seine Datenanalysebedürfnisse aus und schloss damit den amerikanischen Riesen Palantir von einem strategischen Markt aus, berichten Deutsche Welle, L’Indépendant und OpexNews.

Ein gemeinsamer investigativer Bericht, veröffentlicht von der Süddeutschen Zeitung, dem WDR und dem NDR, enthüllte die konkrete Softwarewahl. Das BfV entschied sich für eine Plattform namens ArgonOS, entwickelt von ChapsVision, einem schnell wachsenden europäischen Sicherheitsunternehmen.

ArgonOS nutzt künstliche Intelligenz, um 300 verschiedene Datenquellen zu durchsuchen. Es verarbeitet diese Informationen in einer sicheren Umgebung und stellt sicher, dass die Geheimdienstdaten auf europäischem Boden verbleiben.

Beamte führten zunächst strenge Tests des Systems durch. Sie nutzten es, um Spione aufzuspüren und Terroranschläge zu verhindern, bevor der Vertrag unterzeichnet wurde.

Die Vergangenheit abschütteln

Diese Abkehr von amerikanischen Anbietern ist kein Zufall. Die anhaltenden Erinnerungen an die Snowden-Leaks haben deutsche Verantwortliche äußerst vorsichtig gegenüber ausländischer Technologie gemacht.

Der Verteidigungssektor teilt dieselben Bedenken. Laut OpexNews schloss das deutsche Militär Palantir kürzlich von seinem eigenen Software-Ausschreibungsverfahren aus.

Palantir trägt erheblichen politischen Ballast mit sich. Sein Gründer, Peter Thiel, unterhält enge Verbindungen zu Donald Trumps innerem Kreis.

Das Unternehmen sah sich zudem mit ernsthaften rechtlichen Rückschlägen konfrontiert. Im Jahr 2023 kippte Deutschlands höchstes Gericht Landesgesetze, die es der lokalen Polizei erlaubten, automatisierte Datensuchen ohne strenge Datenschutzvorkehrungen durchzuführen.

Scharfe Worte

Dieses Urteil beeinträchtigte direkt ein Polizeianalysewerkzeug, das mit Palantir-Technologie entwickelt wurde. Der Gegenwind frustrierte die Führungsebene des Unternehmens.

CEO Alex Karp schoss öffentlich gegen seine Kritiker zurück. Er verglich die intensive deutsche Debatte um sein Unternehmen unverblümt mit „Gesprächen über Hexerei“.

Während Palantir in Deutschland Schwierigkeiten hat, expandiert ChapsVision weiter. Die französische Tech-Gruppe erwarb kürzlich das Suchunternehmen Sinequa und sicherte sich eine Finanzierungsrunde von 85 Millionen Euro, um ihre Softwarekapazitäten zu erweitern.

Die französische Verbindung

Frankreich zögert weiterhin, sich vollständig von dem amerikanischen Unternehmen abzuwenden. Das Land will Palantir öffentlich ersetzen, doch seine Handlungen deuten auf eine kompliziertere Realität hin.

Ende 2025 verlängerte der französische Inlandsgeheimdienst seinen Palantir-Vertrag um weitere drei Jahre. Dieser stille Schritt verlängerte eine Partnerschaft, die ursprünglich 2016 begann.

Französische Verantwortliche behaupten, sie hätten die Software beibehalten, weil lokale Alternativen einfach noch nicht bereit seien. Sie bestehen darauf, dass alle sensiblen Daten auf isolierten Servern innerhalb Frankreichs gespeichert bleiben.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, WDR, NDR, OpexNews, L’Indépendant