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Frankreich hebt historisches Sklavereidekret offiziell auf

Code noir document
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Ein altes Dekret ist nach Generationen der Vernachlässigung wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Abstimmung hat neue Fragen zu Anerkennung, Geschichte und der Verantwortung des Staates aufgeworfen.

Die französische Nationalversammlung hat für die Aufhebung des Code Noir gestimmt, des 1685 von Ludwig XIV. unterzeichneten Dekrets zur Regelung der Sklaverei in den französischen Kolonien.

Die Abstimmung wurde laut The Guardian mit 254 zu 0 Stimmen gebilligt. Obwohl die Sklaverei bereits 1848 abgeschafft wurde, war das Dekret nie formell aufgehoben worden.

Die Maßnahme geht nun zur endgültigen Billigung an den Senat. Ihre Bedeutung ist vor allem symbolischer Natur und bringt keine unmittelbare rechtliche Änderung mit sich.

Abgeordnete aus Überseegebieten prägten die Debatte

Die Debatte wurde von Vertretern aus Martinique und Guadeloupe geprägt, Gebieten, in denen die Erinnerung an die Sklaverei weiterhin Teil der Familiengeschichte und des öffentlichen Lebens ist.

Steevy Gustave, Abgeordneter aus Martinique, sagte: „Keine Abstimmung allein kann Jahrhunderte zerstörter Leben wiedergutmachen.“

Max Mathiasin, der Abgeordnete aus Guadeloupe, der den Vorschlag eingebracht hatte, erklärte, die Aufhebung stelle die Würde jener Vorfahren wieder her, denen unter der französischen Kolonialherrschaft ihre Menschlichkeit abgesprochen worden sei, berichtet die britische Zeitung.

Präsident Emmanuel Macron sagte, der Code Noir „hätte die Abschaffung der Sklaverei niemals überdauern dürfen“.

Mit Blick auf Entschädigungen erklärte er: „Wie man Wiedergutmachung leisten kann … ist eine Frage, die nicht zurückgewiesen werden darf.“ Zugleich warnte er, Frankreich dürfe „keine falschen Versprechungen machen“.

AP schreibt, dass der Kodex versklavte Menschen als Eigentum definierte und Strafen für Fluchtversuche oder Widerstand vorsah.

Frankreich verschleppte rund 1,4 Millionen Afrikaner in seine Kolonien.

Anhaltende Ungleichheiten in französischen Überseegebieten

Die aktuelle Abstimmung betrifft Haiti nicht unmittelbar, doch das Land bleibt ein zentraler Bestandteil der breiteren Debatte über Frankreichs koloniale Vergangenheit.

Haiti, früher als Saint-Domingue bekannt, erlangte 1804 nach einem Aufstand versklavter Menschen die Unabhängigkeit von Frankreich. Frankreich zwang den neuen Staat später, ehemalige Sklavenhalter zu entschädigen, und diese Schulden waren erst 1947 vollständig beglichen.

Diese Geschichte hat die Frage von Entschädigungen zu einem Thema gemacht, das über reine Symbolik hinausgeht. Sie erklärt auch, warum Macrons Verwendung dieses Begriffs Aufmerksamkeit erregt hat.

Die Aufhebung hat zudem den Blick auf die Situation in den französischen Überseegebieten gelenkt.

Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana und Réunion zählen weiterhin zu den ärmeren Gebieten Frankreichs. Die Arbeitslosigkeit liegt dort fast doppelt so hoch wie auf dem französischen Festland, und viele Haushalte leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Pierre-Yves Bocquet von der französischen Stiftung zur Erinnerung an die Sklaverei sagte gegenüber The Guardian, der Code Noir habe dazu beigetragen, ein System zu schaffen, in dem die republikanische Gleichberechtigung nicht für alle Menschen unter französischer Herrschaft galt.

Der nächste unmittelbare Schritt ist die Behandlung des Vorhabens im Senat. Die größere Frage ist jedoch, ob Frankreich über die formelle Aufhebung hinaus konkrete Wiedergutmachungsmaßnahmen ergreifen wird, insbesondere für die Überseegebiete und Haiti.

Quellen: The Guardian, AP.