Einer der größten Hotelbetreiber Europas ist in ein Insolvenzverfahren eingetreten und hat damit eine komplexe Restrukturierung in mehreren Ländern ausgelöst. Während der Schritt große Teile des Konzernnetzwerks betrifft, sollen die Hotels des Unternehmens in Polen unberührt bleiben.
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Die Situation wurde von WPFinanse berichtet, unter Berufung auf Branchen- und Rechtsquellen, die in den Prozess eingebunden sind.
Restrukturierung beginnt
Die Revo Hospitality Group, die rund 250 Hotels in 12 europäischen Ländern betreibt, hat Restrukturierungsverfahren für etwa 140 Unternehmen der Gruppe eingeleitet. Das Verfahren erfolgt im Rahmen der Eigenverwaltung, wodurch das bestehende Management im Amt bleibt, jedoch unter gerichtlicher Aufsicht arbeitet.
Nach Angaben des Unternehmens betrifft die Restrukturierung vor allem Vermögenswerte in Deutschland und Österreich. Die Aktivitäten in Polen sind nicht Teil des Verfahrens.
Rechtsanwalt Dr. Gordon Geiser von GT Restructuring erklärte, der gewählte Ansatz biete „gute Aussichten auf eine schnelle Restrukturierung und eine langfristige Fortführung des Geschäftsbetriebs“. Zudem sei bei der Bundesagentur für Arbeit ein Antrag auf Vorfinanzierung der Löhne für das erste Quartal 2026 gestellt worden.
Steigende Kosten, schnelles Wachstum
Wie Propertynews.pl berichtet, stehen die finanziellen Schwierigkeiten von Revo im Zusammenhang mit einem starken Anstieg der Betriebskosten. Dazu zählen höhere Personalkosten infolge von Mindestlohnerhöhungen sowie steigende Ausgaben für Mieten, Strom und Lebensmittel.
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Auch die aggressive Expansionsstrategie der Gruppe spielte eine Rolle. Schnelle Zukäufe in den vergangenen Jahren erschwerten die effiziente Integration neuer Hotels, während sich die Nachfrage in wichtigen Märkten wie Deutschland und Österreich als schwächer erwies als erwartet.
Trotz dieser Herausforderungen betont das Management, Ziel sei eine nachhaltige Lösung, die sowohl die Interessen der Gläubiger wahrt als auch den laufenden Betrieb sichert.
Interesse von Investoren
Ein weiterer Restrukturierungsberater, Dr. Benedikt de Bruyn, sagte, die Eigenverwaltung ermögliche es den Hotels, mit minimalen Beeinträchtigungen weiterzuarbeiten. Die gerichtliche Aufsicht könne zudem das Vertrauen von Investoren stärken.
„Wir sind zuversichtlich, die finanziellen Probleme der betroffenen Revo-Gruppenunternehmen bis zum Sommer rasch lösen zu können“, sagte er.
Die Gruppe betreibt eine Mischung aus eigenen Marken wie Vagabond Club, Hyperion und Aedenlife sowie Franchisehotels großer Ketten wie Hilton und Marriott.
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Polen ausgenommen
Revo betreibt in Polen sechs Hotels unter den Marken Vienna House und Vienna House Easy in Krakau, Warschau, Łódź, Międzyzdroje und Katowice.
Das lokale Management betont, dass diese Häuser rechtlich und operativ von den Unternehmen getrennt sind, die sich in der Restrukturierung befinden.
„Die finanzielle Lage der Hotels im Land ist sehr gut“, sagte Anna Olszyńska, Direktorin des Vienna House by Wyndham Andel’s Łódź. „Wir arbeiten mit voller Auslastung, und unsere Entwicklungspläne bleiben bestehen.“
Großes Geschäft, wachsender Druck
Das Wachstum von Revo verlief rasant – vom ersten Hotelkauf in Leipzig im Jahr 2008 bis zu einem Portfolio von heute 250 Häusern. Die Gruppe erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 8.300 Mitarbeitende.
Hohe Akquisitionskosten und eine schwächere Nachfrage als erwartet haben nun jedoch eine Neuausrichtung erforderlich gemacht. Der Ausgang der Restrukturierung dürfte die Zukunft der Gruppe in Europa maßgeblich prägen.
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Quellen: WPFinanse, Propertynews.pl