Startseite Nachrichten Litauischer Drohnenschreck sendet eine deutliche Botschaft an die NATO

Litauischer Drohnenschreck sendet eine deutliche Botschaft an die NATO

Cathedral Square in Vilnius, Lithuania
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Die Menschen mussten schnell reagieren, als eine Sicherheitswarnung einen gewöhnlichen Tag in der Stadt unterbrach. Der Vorfall zeigte, wie moderne Bedrohungen das öffentliche Leben erreichen können, bevor die Behörden klare Antworten haben.

Am 20. Mai schrillten in ganz Vilnius die Mobiltelefone mit einer Warnung, auf die die meisten Einwohner noch nie hatten reagieren müssen: mögliche Luftgefahr.

Linas Kojala, Direktor des in Vilnius ansässigen Center for Geopolitics and Security Studies, schrieb in The Guardian, dass er gerade auf dem Weg zu einem Briefing für österreichische Wirtschaftsvertreter und Akademiker gewesen sei, als die Aufforderung kam, Schutz zu suchen.

Die Stadt erstarrte nicht. Cafétische säumten weiterhin die Straßen, Menschen blickten auf ihre Bildschirme, und das Tempo um ihn herum veränderte sich.

Einige gingen weiter. Andere eilten davon. Kojalas Treffen wurde in den Keller einer Bibliothek verlegt, wo sich Besucher und Einwohner unter der Erde versammelten.

Eine Drohne verschwand spurlos

Kojala schrieb, litauische Behörden gingen davon aus, dass eine ukrainische Drohne, die auf russische Militär- oder Energieinfrastruktur gerichtet gewesen sei, vom Kurs abgekommen und in den litauischen Luftraum geraten sein könnte. Die Drohne traf nichts und wurde bislang nicht gefunden.

Das Problem war die Ungewissheit, so Kojala. Eine verlorene Drohne, elektronische Störungen oder ein absichtlicher Test können dieselbe erste Reaktion auslösen: Sirenen, Warnmeldungen auf Mobiltelefonen und Menschen, die Schutz suchen.

In seinem Beitrag verwies er auch auf andere Vorfälle: Drohnen explodierten in Lettland, wurden über Estland abgeschossen, und eine russische Geran-2-Drohne traf ein Wohngebäude in Rumänien und verletzte zwei Zivilisten, darunter ein Kind.

Das Baltikum kennt diesen Druck

Für Litauen und seine Nachbarstaaten stehen Bedrohungen aus der Luft neben anderen Formen der Destabilisierung. Kojala nannte Cyberangriffe, Desinformation, GPS-Störungen, Sabotagebefürchtungen und Vorfälle mit Unterseekabeln als Teil des Drucks, dem die Region ausgesetzt ist.

Er verwies zudem auf das Center for Strategic and International Studies, das festgestellt habe, dass sich die Zahl russlandnaher Angriffe in Europa von 2023 auf 2024 nahezu verdreifacht habe, nachdem sie bereits im Vorjahr um das Vierfache gestiegen war.

Litauen reagiert mit höheren Ausgaben und einer stärkeren zivilen Vorsorge. Kojala schrieb, dass das Land im Jahr 2026 5,38 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben wolle. Zudem sei die Mitgliedschaft im Litauischen Schützenbund seit 2024 um etwa ein Drittel gewachsen.

Die NATO steht unter Beobachtung

Die NATO sollte die Luftraumüberwachung im Baltikum zu einer umfassenderen Luftverteidigungsmission ausbauen, die Bedrohungen bei Bedarf erkennen, verfolgen und neutralisieren kann, empfiehlt Kojala.

Im Keller der Bibliothek hörten die österreichischen Besucher nicht länger eine abstrakte Warnung über die europäische Sicherheit. Sie saßen mitten in ihr.

Für Kojala war die Lehre eindeutig: Städte an der Ostflanke der NATO können den Krieg in ihrer Nähe nicht als etwas betrachten, das sicher außerhalb ihres Alltags stattfindet.

Quelle: The Guardian