Wenn ein Land auf seinen nationalen Geldbeutel blickt, erzählen die Zahlen selten die ganze Geschichte des Alltags. Die Menschen spüren den Druck im Supermarkt lange bevor offizielle Tabellen die Schwierigkeiten widerspiegeln.
Neue Daten bestätigen nun, dass ein wichtiger Wirtschaftsmotor an Schwung verliert, wie Reuters berichtet.
Eine schrumpfende Wirtschaft
Die mexikanische Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten des Jahres zurückgegangen. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde INEGI sank die gesamte Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,6 Prozent.
Reuters berichtete, dass Ökonomen ursprünglich einen stärkeren Rückgang von 0,8 Prozent prognostiziert hatten. Dennoch markiert der jüngste Rückgang eine deutliche Umkehr gegenüber dem bescheidenen Wachstum, das Ende letzten Jahres verzeichnet wurde.
Jeder Bereich der Arbeitswelt spürte die Verlangsamung. Landwirtschaft, Bergbau und Fischerei waren am stärksten betroffen und fielen um 1,7 Prozent, was den Abwärtstrend anführte.
Auch das verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungen landeten im negativen Bereich und sanken um 1 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent.
Nachlassende Binnenkonjunktur
Experten weisen darauf hin, dass dies nicht nur ein kurzfristiger Rückschlag ist. Andres Abadia, Chefökonom für Lateinamerika bei Pantheon Macroeconomics, teilte seine Analyse der Situation mit.
Er wies auf die weitreichenderen Auswirkungen der neuen Daten hin.
„Die Schwäche war in allen wichtigen Sektoren breit angelegt und verstärkt die Ansicht, dass die Verlangsamung eher eine nachlassende Binnenkonjunktur als einen isolierten Schock widerspiegelt“, sagte Abadia.
Trotz des schwierigen Quartals sieht das Jahresbild etwas positiver aus. Die Wirtschaft wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum tatsächlich um geringe 0,2 Prozent und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.
Ein separater Bericht von INEGI zeigte im März einen überraschenden Aufschwung. Die Wirtschaftsaktivität stieg in diesem Monat um 0,4 Prozent an und gab einen kurzen Hoffnungsschimmer.
Globale Konflikte im Blick
Finanzexperten bleiben für den Rest des Jahres äußerst vorsichtig. Die mexikanische Zentralbank senkte kürzlich ihren Leitzins auf 6,50 Prozent.
Diese Entscheidung war nicht einstimmig. Vorstandsmitglieder stritten über den richtigen Weg nach vorn und verwiesen auf den anhaltenden Krieg zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran als großes globales Risiko.
Laut den von Reuters eingesehenen Sitzungsprotokollen erhöhen diese internationalen Konflikte die große Unsicherheit in einem bereits trägen lokalen Markt.
Vorerst bleibt den Arbeitnehmern nur abzuwarten, ob sich die Lage stabilisieren wird. Die Zahlen mögen die düstersten Prognosen übertroffen haben, doch der wirtschaftliche Druck ist weiterhin sehr real.
Quellen: Reuters, INEGI