Großbritannien verschärft seinen Kurs gegen Übergewicht und ungesunde Ernährung.
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Die Regierung verweist dabei auf wachsende gesundheitliche Belastungen und frühere Erfahrungen mit staatlichen Eingriffen. Kritiker sehen darin einen überfälligen, aber noch unvollständigen Schritt.
Politischer Wendepunkt
Im Mittelpunkt steht die Sorge um kindliche Gesundheit. Nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes NHS lebt fast jedes zehnte Kind im Vorschulalter mit Adipositas, berichtet die BBC. Gleichzeitig seien Zahnprobleme bei Kleinkindern weit verbreitet.
Diese Zahlen gelten als politisch brisant, weil sie langfristige Folgen nach sich ziehen. Laut BBC verursachen Übergewicht und Folgeerkrankungen jährliche Kosten von mehr als 11 Milliarden Pfund (rund 12,6 Milliarden Euro) für den staatlichen Gesundheitsdienst.
Die Regierung argumentiert, frühe Prävention sei günstiger als spätere Behandlung. Gegner warnen hingegen vor zu starken Eingriffen in Markt und Konsumfreiheit.
Eingriffe in die Werbung
Seit dieser Woche gelten neue Einschränkungen für Werbung. Wie die BBC berichtet, dürfen Lebensmittel mit hohem Fett-, Salz- oder Zuckergehalt vor 21 Uhr nicht mehr im Fernsehen beworben werden, online sind entsprechende Anzeigen vollständig untersagt.
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Betroffen sind vor allem typische Fast-Food- und Snackprodukte. Ob ein Produkt unter das Verbot fällt, entscheidet ein staatliches Nährwertmodell, das einzelne Inhaltsstoffe gegeneinander abwägt, so die BBC.
Unternehmen dürfen weiterhin ihre Marken bewerben, solange keine konkreten Produkte gezeigt werden. Bei Verstößen drohen Maßnahmen durch die britische Werbeaufsicht ASA.
Erfahrungen aus der Praxis
Die neuen Regeln bauen auf früheren Instrumenten auf. Bereits seit 2018 erhebt Großbritannien eine Steuer auf stark gezuckerte Getränke, wie die Tagesschau 2024 berichtete. Hersteller müssen je nach Zuckergehalt gestaffelte Abgaben zahlen.
Diese Steuer habe messbare Effekte gezeigt. Viele Produzenten senkten den Zuckeranteil ihrer Getränke, um Kosten zu vermeiden, berichtete die Tagesschau. Eine Studie der Universität Cambridge deute zudem auf einen Rückgang von Fettleibigkeit bei zehn- und elfjährigen Mädchen um rund acht Prozent hin.
Ernährungsexpertin Mhairi Brown von „Action on Sugar“ sagte laut Tagesschau: „Sie stellt für die Getränkehersteller einen großen Anreiz dar, den Zuckergehalt zu reduzieren, um die Steuer zu vermeiden.“
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Expert:innen sehen Großbritannien an einem Scheideweg. Die aktuellen Schritte gelten als Signal, doch ob sie ausreichen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen: BBC, Tagesschau