Ein Ersuchen wirft Fragen zu mutmaßlichen politischen Kontakten im Umfeld eines laufenden Gerichtsverfahrens auf. Die Vorwürfe sind bislang nicht bewiesen, und die beschuldigten Männer weisen die Anschuldigungen zurück.
Die demokratische Abgeordnete Yassamin Ansari hat den Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses aufgefordert, mutmaßliche Kontakte zwischen Barron Trump sowie Andrew und Tristan Tate zu untersuchen.
The Daily Beast, dem Ansaris Schreiben vorliegt, berichtet, sie habe den Ausschussvorsitzenden James Comer aufgefordert zu prüfen, ob Personen aus dem Umfeld von Präsident Donald Trump versucht hätten, Einfluss auf den Umgang mit den Verfahren gegen die Brüder zu nehmen.
In ihrem Schreiben verweist Ansari auf Kommunikation unter Beteiligung von Barron Trump sowie auf ein Treffen in Washington zwischen Vertretern der Tate-Brüder und dem republikanischen Kongressabgeordneten Wesley Hunt.
Ansari hat keine Beweise dafür vorgelegt, dass Barron Trump eine offizielle Entscheidung beeinflusst hat. Ihm wird auch kein Fehlverhalten vorgeworfen.
Ob eine Untersuchung eingeleitet wird, bleibt ungewiss
Ansari möchte, dass der Ausschuss klärt, was Barron Trump über die Vorwürfe wusste und ob er mit seinem Vater oder Regierungsvertretern über die Gerichtsverfahren gesprochen hat.
Sie forderte die Abgeordneten ausdrücklich auf, Informationen von Barron Trump einzuholen und relevante Kommunikation zu prüfen. Bislang wurden weder eine Untersuchung des Kongresses noch Vorladungen angekündigt.
Ansari stellte ihren Antrag, nachdem die Brüder am 18. Juli in Miami aufgrund eines britischen Auslieferungshaftbefehls festgenommen worden waren. Eine mögliche Untersuchung des Repräsentantenhauses wäre vom Auslieferungsverfahren getrennt.
Ein Bundesrichter muss zunächst entscheiden, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine Auslieferung erfüllt sind. Anschließend könnte der Fall dem Außenminister zur endgültigen Entscheidung vorgelegt werden.
Der Crown Prosecution Service erklärte, dass den Brüdern zusätzlich zu 21 früheren britischen Anklagepunkten nun 38 weitere Anklagepunkte im Zusammenhang mit vier weiteren mutmaßlich Geschädigten zur Last gelegt werden.
Andrew Tate sieht sich mit sieben weiteren Anklagepunkten wegen Vergewaltigung, drei Anklagepunkten im Zusammenhang mit Menschenhandel, drei Anklagepunkten wegen Körperverletzung sowie 19 Anklagepunkten im Zusammenhang mit mutmaßlich unanständigen Darstellungen eines Kindes und extremer Pornografie konfrontiert.
Tristan Tate sieht sich mit zwei weiteren Anklagepunkten wegen Vergewaltigung, einem Anklagepunkt wegen sexueller Nötigung sowie drei Anklagepunkten im Zusammenhang mit Menschenhandel konfrontiert. Die mutmaßlichen Taten sollen zwischen Juli 2010 und August 2017 begangen worden sein.
Laut The Daily Beast umfassen die Verfahrensunterlagen Zeugenaussagen, Nachrichten und Fotografien. Diese Angaben wurden bislang nicht gerichtlich geprüft, und die Brüder weisen die Vorwürfe zurück.
Weißes Haus schließt Eingreifen aus
Andrew Tate sagte 2024: „Ich stehe der Familie Trump sehr nahe. Ich kenne sie gut“, und behauptete, mit Barron Trump gesprochen zu haben.
Diese Aussagen haben seitdem erneut Aufmerksamkeit erregt, da Abgeordnete die mutmaßlichen Kontakte der Brüder zu Personen aus dem Umfeld des Präsidenten untersuchen.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte, Präsident Trump habe nicht vor, in das Auslieferungsverfahren einzugreifen. Ihre Erklärung sollte deutlich machen, dass die Regierung nicht in das derzeit in den Vereinigten Staaten laufende Gerichtsverfahren eingreife.
Außenminister Marco Rubio erklärte ebenfalls, die Regierung spiele „keine Rolle“, solange der Fall vor Gericht anhängig sei – „oder vielleicht überhaupt nie“, schreibt Sky News.
Ein Bundesrichter muss zunächst prüfen, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine Auslieferung erfüllt sind, bevor später gegebenenfalls eine Entscheidung unter Beteiligung des Außenministeriums getroffen werden kann.
Joseph McBride, der Anwalt der Brüder, weist die Vorwürfe gegen seine Mandanten weiterhin zurück. Gegenüber der BBC sagte er: „Die Welt weiß, dass Andrew und Tristan unschuldig sind.“
Die Brüder befinden sich weiterhin in einem Auslieferungsverfahren und weisen die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück.
Quellen: The Daily Beast, BBC, Sky News