China hat sich bewusst aus dem Krieg in der Ukraine herausgehalten. Wird sich das bald ändern, jetzt, da Putin Xi Jinping besucht?
Peking hatte kaum Zeit, die roten Teppiche von Donald Trumps Staatsbesuch wegzuräumen, bevor ein weiterer Staatschef mit seiner eigenen geopolitischen Einkaufsliste eintraf.
Wladimir Putin landete am Dienstag in China zu seinem 25. offiziellen Besuch des Landes. Energieabkommen, die Ukraine und globale Machtpolitik dominieren die Agenda hinter verschlossenen Türen, wie das spanische Medium 20Minutos berichtet.
Moskau und Peking vertiefen erneut ihre Beziehungen
Chinesische Staatsmedien haben Peking nach der Ausrichtung der Besuche von Trump und Putin innerhalb weniger Tage enthusiastisch als neues Zentrum der globalen Diplomatie dargestellt.
Putins Besuch fällt zudem mit zwei symbolischen Jahrestagen zusammen: 25 Jahre seit der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags zwischen China und Russland und 30 Jahre seit dem Beginn ihrer umfassenderen strategischen Partnerschaft.
Beide Regierungen nutzen diesen Anlass, um zu unterstreichen, wie eng sie politisch, wirtschaftlich und militärisch inzwischen aufeinander abgestimmt sind.
Chinesische Beamte erklärten im Vorfeld des Gipfels, dass Präsident Xi Jinping und Putin internationale Krisen, die bilaterale Zusammenarbeit und Bemühungen zur Schaffung „größerer Stabilität“ auf der Weltbühne erörtern würden.
Unterdessen bestätigte der Kreml, dass während der Reise mehrere Abkommen und gemeinsame Erklärungen unterzeichnet werden sollen.
Die Ukraine überschattet weiterhin die Gespräche
Der Krieg in der Ukraine dürfte während der gesamten Treffen eines der heikelsten Themen bleiben.
Europäische Regierungen haben China wiederholt aufgefordert, Moskau zu substanziellen Verhandlungen zu drängen, obwohl Peking weiterhin vorsichtig zwischen diplomatischer Neutralität und strategischer Unterstützung für Russland abwägt.
Chinesische Beamte wiederholten kürzlich Behauptungen, es gebe weiterhin „Hoffnung“ auf zukünftige Verhandlungen im Zusammenhang mit dem Konflikt.
Analysten in China beschreiben den Krieg als weit mehr als einen regionalen Konflikt und argumentieren, er sei tief mit globalen Machtkämpfen und der zukünftigen internationalen Ordnung verknüpft.
Seit dem Beginn der umfassenden Invasion Russlands hat China eine bewusst ambivalente Position eingenommen – öffentlich die territoriale Souveränität unterstützend, während es gleichzeitig russische Bedenken hinsichtlich westlicher Sicherheitspolitiken widerspiegelt.
Energieabkommen rücken wieder in den Fokus
Die Energiekooperation bleibt ein weiteres Hauptanliegen während Putins Besuch.
Russland ist zu einem der größten Öl- und Gaslieferanten Chinas aufgestiegen, insbesondere da Peking nach Alternativen sucht, während die Instabilität rund um die Straße von Hormus anhält.
Chinesische Importe russischer Energie erreichten im vergangenen Jahr enorme Mengen, wobei Moskau über 100 Millionen Tonnen Öl und zig Milliarden Kubikmeter Erdgas lieferte.
Die Aufmerksamkeit richtet sich erneut auf das seit Langem diskutierte Pipeline-Projekt „Kraft Sibiriens 2“ (Power of Siberia-2), das zusätzliches russisches Gas über die Mongolei nach China transportieren würde.
Die Verhandlungen über die riesige Pipeline ziehen sich seit Jahren hin, doch die zunehmende Instabilität auf den Energierouten im Golf könnte dem Projekt nun neue Dringlichkeit verleihen.
Trumps Besuch wirft weiterhin einen Schatten
Putins Ankunft erfolgt nur wenige Tage nach Trumps ebenfalls vielbeachteten Treffen mit Xi Jinping.
Dieses Timing ist in China nicht unbemerkt geblieben, wo staatliche Medien Peking eifrig als diplomatischen Knotenpunkt einer sich schnell wandelnden Weltordnung dargestellt haben.
Trotz der jüngsten Treffen zwischen chinesischen und amerikanischen Staats- und Regierungschefs bleibt die Rivalität zwischen Washington und Peking intensiv – insbesondere in Bezug auf Taiwan, Handel und militärischen Einfluss in ganz Asien.
Russlands wachsende Abhängigkeit von China verändert unterdessen weiterhin das Gleichgewicht innerhalb der Partnerschaft, auch wenn beide Regierungen die Beziehung öffentlich als eine zwischen Gleichberechtigten beschreiben.