Neue Beschaffungsunterlagen deuten darauf hin, dass Russland sein Arsenal an gelenkter Artillerie ausbaut, doch zentrale Details bleiben unklar. Der Auftrag hat Analysten dazu veranlasst, über Moskaus Absichten zu spekulieren, während der Krieg in der Ukraine andauert.
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WPTech berichtet, dass die Dokumente auf ein bestimmtes Kaliber und eine konkrete Bezeichnung hinweisen, ohne die Waffe ausdrücklich zu benennen.
Dokumente aufgetaucht
Laut der ukrainischen Verteidigungswebsite Military zeigen russische Beschaffungsunterlagen eine Bestellung über 100 Einheiten gelenkter 122-mm-Munition. Die Geschosse sind unter einem bislang nicht offengelegten Designindex, KV122, aufgeführt.
Der Stückpreis liegt demnach bei rund 5,71 Millionen Rubel, was zu aktuellen Wechselkursen etwa 71.000 US-Dollar entspricht. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Produktion dem Konstruktionsbüro KBP in der russischen Stadt Tula zugewiesen wurde.
Die Unterlagen selbst geben keinen Aufschluss über die genaue Art der Waffe.
Bekannte Ähnlichkeiten
In seiner Analyse vermutet Military, dass die Bezeichnung KV122 dem System Kitolow-2M entsprechen könnte. Dabei handelt es sich um ein lasergelenktes Geschoss, das für den Einsatz mit D-30-Haubitzen und der selbstfahrenden Artillerie 2S1 Gvozdika entwickelt wurde.
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Das Portal betont, dass diese Zuordnung in den Dokumenten nicht ausdrücklich bestätigt wird. Kaliber und technische Eigenschaften entsprächen jedoch weitgehend denen der bestehenden Kitolow-Familie.
Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, würde dies auf ein erneutes Interesse an Präzisionsmunition für ältere Artilleriesysteme hindeuten.
Funktionsweise
Das Kitolow-2M nutzt eine halbaktive Laserlenkung. Das Geschoss richtet sich nach einem vom Ziel reflektierten Laserstrahl und passt seine Flugbahn mithilfe eines bordeigenen passiven Infrarotsensors an.
Die effektive Reichweite wird mit bis zu 12 Kilometern angegeben, bei einem Gefechtskopf von rund 5,3 Kilogramm.
Zum Vergleich: Das größere 152-mm-System Krasnopol kann Ziele in Entfernungen von bis zu 25 Kilometern bekämpfen und verfügt über eine schwerere Sprengladung.
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Größerer Kontext
Frühere Berichte von Army Recognition weisen darauf hin, dass Krasnopol-M2-Geschosse bereits auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden, häufig in Zusammenarbeit mit Drohnen zur Verbesserung der Zielgenauigkeit.
United24 Media erinnert daran, dass der Kalaschnikow-Konzern, zu dem auch KBP gehört, im April 2025 eine Ausweitung der Produktion präzisionsgelenkter Munition, darunter Kitolow-2M, angekündigt hatte. Neue Produktionslinien, die Ende 2024 in Betrieb gingen, sollten die Ausstoßmengen erhöhen.
WPTech merkt an, dass gelenkte 122-mm-Artilleriemunition zwar seltener ist als ihre 152-mm-Variante, der neue Auftrag jedoch darauf hindeuten könnte, dass Russland seine Präzisionsschlagfähigkeiten mithilfe weit verbreiteter älterer Systeme ausbauen will.
Quellen: WPTech, Military, United24 Media, Army Recognition