Altes Kriegsgerät findet auf seltsame Weise seinen Weg zurück an die Front, lange nachdem ein Konflikt beendet ist.
Während sich die geopolitischen Allianzen in Zentralasien verschieben, entstehen unerwartete Partnerschaften rund um jahrzehntealte Militärausrüstung. Ein neues Abkommen scheint darauf abzuzielen, veralteten Militärarsenalen neues Leben einzuhauchen, berichtet United24Media.
Eine überraschende Allianz
Russland hat angeboten, Militärgerät aus der Sowjetzeit zu reparieren, das sich derzeit im Besitz der Taliban befindet. Laut United24Media markiert der Vorschlag die erste Phase eines neuen Verteidigungspakts zwischen Moskau und Kabul.
Das Abkommen könnte letztlich dazu führen, dass Russland brandneue Waffensysteme an Afghanistan liefert. Die Moscow Times berichtete, dass Zamir Kabulov, der russische Präsidentenbeauftragte, die Partnerschaft im Anschluss an ein Sicherheitsforum bekannt gab.
Die Taliban verfügen derzeit über einen enormen Bestand an alter sowjetischer Ausrüstung. Ihr Arsenal umfasst Dutzende von T-55- und T-62-Panzern, Schützenpanzern und Kampfhubschraubern.
Daten aus The Military Balance zeigen, dass die Gruppe auch Transportflugzeuge und schwere Artillerie besitzt. Die Einsatzbereitschaft dieser veralteten Flotte aufrechtzuerhalten, ist jedoch zu einer großen Herausforderung für das Regime geworden.
Steigende regionale Spannungen
Diese plötzliche militärische Zusammenarbeit folgt einer erheblichen Verschiebung der diplomatischen Beziehungen. Russland erkannte die Taliban-Regierung im vergangenen Jahr offiziell an und strich die Gruppe von seiner nationalen Liste terroristischer Organisationen.
Die neue Partnerschaft kommt zu einem chaotischen Zeitpunkt. Die Taliban bekämpfen derzeit interne Feinde wie den IS, während sie Raketenangriffe mit den Nachbarländern Iran und Pakistan austauschen.
Die Spannungen kochten über, als Pakistan den Taliban den „offenen Krieg“ erklärte. Pakistanische Beamte warfen der Gruppe vor, Militante zu schützen, die für grenzüberschreitende Angriffe verantwortlich sind.
Aufgrund dieser Bedrohungen wollen die Taliban ihre Hubschrauberflotte instand setzen, um ihren Luftraum zu überwachen. Forschungsgruppen stellten fest, dass Kabul auch preiswerte Drohnen und Luftabwehrsysteme wünscht.
Symbolisch oder strategisch
Während der Pakt für westliche Beobachter alarmierend klingt, glauben einige Analysten, dass die tatsächlichen Auswirkungen begrenzt sein könnten. Der Osteuropa-Experte Ruslan Suleymanov deutete an, dass das Abkommen in diesem Stadium weitgehend „symbolisch“ sei.
Er merkte an, dass eine massive Militärallianz „definitiv nicht zustande kommen wird“. Stattdessen könnte Moskau lediglich Spezialisten entsenden, um „lokale Übungen und Briefings“ im Land durchzuführen.
Unterdessen sieht sich Russland während der Invasion der Ukraine mit eigenen Ausrüstungsmängeln konfrontiert. Open-Source-Bilder zeigten, wie Moskau eigene T-55-Panzer aus der Zeit des Kalten Krieges reaktivierte, um sie an die Front zu schicken.
Diesen alten Fahrzeugen fehlt es an der modernen Überlebensfähigkeit und den Sensoren, die für die heutigen Schlachtfelder erforderlich sind. Dennoch hat die verzweifelte Suche nach schwerer Rüstung diese beiden ehemaligen Feinde zusammengeführt.
Quellen: United24Media, The Moscow Times, The Military Balance