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Testosteronmythen sorgen für Verwirrung

Testosteronmythen sorgen für Verwirrung

Mehrere häufige Gesundheitsprobleme können ähnliche Warnzeichen hervorrufen. Deshalb berücksichtigen Ärzte sowohl die Krankengeschichte eines Patienten als auch sorgfältig terminierte und wiederholte Blutuntersuchungen.

Müdigkeit, nachlassendes sexuelles Interesse und Konzentrationsprobleme werden manchmal dem Alter oder sinkenden Testosteronwerten zugeschrieben. Doch Schlafstörungen, Stress, schwere Erkrankungen, Medikamente und andere gesundheitliche Beschwerden können ein sehr ähnliches Erscheinungsbild hervorrufen.

In einem redigierten Auszug aus seinem Buch, der im Daily Express veröffentlicht wurde, erklärt der britische Spezialist für Männergesundheit, Dr. Jeff Foster, dass Testosteron eine umfassendere Rolle spielt als die allgemein bekannte Verbindung mit Kraft und sexueller Funktion.

Das Hormon wird in den Hoden als Reaktion auf hormonelle Signale aus dem Gehirn produziert und trägt zur Fruchtbarkeit, zur Bildung roter Blutkörperchen, zum Erhalt der Knochengesundheit und der Muskelmasse bei.

Für die Diagnose sind mehrere Untersuchungen erforderlich

Nach den klinischen Leitlinien der Endocrine Society sollte Hypogonadismus nur dann diagnostiziert werden, wenn charakteristische Symptome zusammen mit dauerhaft niedrigen Testosteronwerten vorliegen. Zur Bestätigung ist eine erneute morgendliche Blutuntersuchung im nüchternen Zustand mit einer zuverlässigen Testmethode erforderlich.

Die Patienteninformationen der Organisation sehen mindestens zwei Blutuntersuchungen am frühen Morgen vor. Die Testosteronwerte schwanken im Tagesverlauf und können bei schweren Erkrankungen, Mangelernährung oder intensiver körperlicher Belastung vorübergehend absinken, sodass ein einzelnes Untersuchungsergebnis irreführend sein kann.

Ärzte können zudem das freie Testosteron bestimmen, wenn der Gesamtwert keine eindeutige Aussage zulässt. Weitere Hormonuntersuchungen können anschließend helfen festzustellen, ob die Ursache in den Hoden oder im hormonellen Signalsystem liegt, das deren Funktion steuert.

Foster zufolge können niedrige Testosteronwerte die Stimmung, die Stoffwechselgesundheit und den Erhalt der Muskelmasse beeinträchtigen, noch bevor eindeutige Symptome auftreten. Ein niedriger Laborwert allein reicht jedoch ohne ein entsprechendes klinisches Bild nicht aus, um die Erkrankung zu diagnostizieren.

Auch die Behandlung erfordert eine individuelle Beurteilung. Von außen zugeführtes Testosteron kann die Spermienproduktion unterdrücken. Deshalb sollte ein möglicher Kinderwunsch vor Beginn der Therapie besprochen werden. Das Alter ist nur einer von mehreren Faktoren, wenn Ärzte den erwarteten Nutzen gegen die Risiken abwägen.

Bekannte Behauptungen im Kontext

Foster schreibt, dass eine Vasektomie den Testosteronspiegel nicht senken sollte, da der Eingriff weder die Hormonproduktion noch die Blutversorgung der Hoden beeinträchtigt.

Er weist zudem Behauptungen zurück, wonach sexuelle Enthaltsamkeit den Testosteronspiegel zuverlässig erhöhe oder die sportliche Leistungsfähigkeit verbessere. Die wissenschaftliche Evidenz dafür sei unzureichend.

Die Frage des Haarausfalls ist komplexer. Foster bringt das Risiko mit DHT und einer genetischen Veranlagung für androgenetischen Haarausfall in Verbindung, anstatt eine Testosterontherapie als allgemeine Ursache darzustellen.

Anhaltende Beschwerden sollten Anlass für eine medizinische Abklärung sein und nicht zu einer Selbstdiagnose auf Grundlage der Libido, des Alterungsprozesses oder von Ratschlägen aus dem Internet führen.

Quellen: Daily Express; Endocrine Society