Ein schwerer Versorgungsausfall hat die diplomatischen Kontakte zwischen zwei Gegnern erneut in den Fokus gerückt. Vertreter beider Seiten nutzen denselben Moment, um sehr unterschiedliche Forderungen zu stellen.
Kubas sich verschärfender Treibstoffmangel hat einen seltenen Besuch des CIA-Direktors John Ratcliffe zu mehr als nur einer diplomatischen Randnotiz gemacht.
The Guardian berichtete unter Berufung auf kubanische Behörden, dass Ratcliffe am Donnerstag in Havanna Vertreter getroffen habe – in einer Phase angespannter Kontakte zwischen den USA und Kuba. Havanna erklärte, Ziel des Treffens sei es gewesen, den politischen Dialog zwischen den beiden Regierungen zu unterstützen.
Laut BBC nahmen Innenminister Lázaro Álvarez Casas, Geheimdienstvertreter sowie Raúl Guillermo Rodríguez Castro, ein Enkel des früheren kubanischen Staatschefs Raúl Castro, an dem Treffen teil.
Ein CIA-Vertreter erklärte, die Gespräche hätten die Zusammenarbeit der Geheimdienste, wirtschaftliche Stabilität und Sicherheitsfragen umfasst. Die kubanische Erklärung teilte mit, beide Seiten hätten die Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden besprochen.
Havanna weist Sicherheitsvorwurf zurück
Kuba nutzte das Treffen, um Washingtons Einstufung der Insel als Sicherheitsbedrohung infrage zu stellen.
Laut The Guardian erklärte die kubanische Regierung, der Austausch habe Havanna die Möglichkeit gegeben zu argumentieren, dass Kuba keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstelle.
Die Erklärung wies zudem die Grundlage dafür zurück, Kuba auf Washingtons Liste von Regierungen zu setzen, denen Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen wird.
Die Wortwahl ist von Bedeutung. Für Havanna ist die Einstufung nicht nur symbolisch; sie trägt dazu bei, die finanzielle und diplomatische Isolation zu verstärken. Für Washington ist das Label Teil einer umfassenderen Druckkampagne gegen den kubanischen Staat.
Das Treffen vermittelte daher gleichzeitig zwei Botschaften. Die USA signalisierten, dass Gespräche über Sicherheits- und Wirtschaftsfragen fortgesetzt werden können. Kuba nutzte dieselbe Begegnung, um zu argumentieren, dass die amerikanische Politik dazu beiträgt, die Krise zu verschärfen, mit der das Land derzeit konfrontiert ist.
Stromausfälle treiben Menschen auf die Straßen
Der unmittelbare Hintergrund war der Zusammenbruch der Stromversorgung des Landes.
The Guardian schrieb, Energieminister Vicente de la O Levy habe staatlichen Medien mitgeteilt, Kuba verfüge weder über Diesel noch über Reserven an Schweröl. Er beschrieb das nationale Stromnetz als in kritischem Zustand.
Nach dieser Ankündigung brachen in Havanna Proteste aus. Bewohner riefen: „Macht das Licht an.“
Die BBC berichtete, dass die Nacht zum Mittwoch die größte einzelne Protestnacht in Havanna seit Beginn der Energiekrise im Januar gewesen sei. Treibstoffmangel hat Krankenhäuser, Schulen und Behörden beeinträchtigt.
Washington bietet Hilfe unter Bedingungen an
Der Mangel hat einen weiteren Streit über humanitäre Hilfe ausgelöst.
Außenminister Marco Rubio erneuerte ein Angebot über 100 Millionen Dollar an Hilfen, die über die katholische Kirche statt über die kubanische Regierung verteilt werden sollen.
Das US-Außenministerium erklärte, die Hilfe solle gemeinsam mit der katholischen Kirche und anderen unabhängigen humanitären Organisationen koordiniert werden.
Washington stellte das Angebot als direkte Hilfe für das kubanische Volk dar und vermied dabei staatliche Verteilungskanäle.
Kubas Außenminister Bruno Rodríguez erklärte laut BBC, Havanna sei bereit, mehr über den Vorschlag zu erfahren. Er stellte zugleich infrage, ob die Hilfe in Form von Geld oder Sachleistungen erfolgen würde.
Rodríguez sagte, Kuba lehne ausländische Hilfe, die in guter Absicht angeboten werde, grundsätzlich nicht ab. Gleichzeitig argumentierten kubanische Vertreter, dass eine Lockerung der US-Beschränkungen im Energie-, Handels- und Finanzbereich mehr bewirken würde als ein vorübergehendes Hilfspaket.
Derzeit hat die Treibstoffkrise die Debatte über die Verantwortung verschärft. Kubanische Vertreter machen die US-Beschränkungen für die Verschärfung des Mangels verantwortlich. Amerikanische Vertreter erklären, eine engere Zusammenarbeit hänge von Veränderungen in Havanna ab.
Die Krise hat den Streit darüber verschärft, ob Kubas Schwierigkeiten hauptsächlich das Ergebnis amerikanischer Politik, innerstaatlicher Misswirtschaft oder beider Faktoren sind.
Quellen: The Guardian, BBC