Startseite Natur Trump, Touristen und Bulldozer schüren Sorgen um Albaniens Flamingoküste

Trump, Touristen und Bulldozer schüren Sorgen um Albaniens Flamingoküste

Flamingos in Albanian Lagoon Narta, Vlora
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Der Fall hat sich zu einer öffentlichen Auseinandersetzung über Land, Geld und Naturschutz entwickelt. Er wirft auch Fragen darüber auf, wie ein kleines Land mit ausländischen Investitionen umgeht.

Albaniens Vorstoß im Luxustourismus stößt an der Vjosa-Narta-Küste auf heftigen Widerstand. Ein geplantes Ferienresort mit Verbindungen zu Ivanka Trump und Jared Kushner hat ein geschütztes Feuchtgebiet ins Zentrum landesweiter Proteste gerückt.

Laut dem Guardian sind Maschinen und Absperrungen im Schutzgebiet Pishë Poro-Nartë aufgetaucht, das Teil der größeren Vjosa-Narta-Landschaft ist.

Vertreter des Projekts erklärten, die Investoren seien in privater Funktion beteiligt. Albanische Behörden betonen hingegen, die derzeitigen Arbeiten beschränkten sich auf technische Untersuchungen und Umweltanalysen.

Warum diese Küste weit über Albanien hinaus von Bedeutung ist

Der Konflikt hat an Bedeutung gewonnen, weil es sich bei dem Gebiet nicht um einen gewöhnlichen Küstenabschnitt handelt. Das Vjosa-Delta umfasst Lagunen, Dünen, Feuchtgebiete und Salinen und bietet Lebensraum für Zugvögel, Flamingos, Fischotter, Schildkröten, Delfine und seltene Amphibien.

Naturschutzdaten, über die der Guardian berichtete, verzeichneten 2.529 Arten im Delta, darunter 279, die international als bedroht gelten.

Aleksandër Trajçe, Geschäftsführer der Protection and Preservation of Natural Environment in Albania (PPNEA), der größten Naturschutzorganisation des Landes, sagte der britischen Zeitung:

„Wenn man das Mittelmeer so erleben möchte, wie es einst war, bevor es vom Tourismus zerstört wurde, dann ist dies einer der letzten – wenn nicht der letzte – Orte, an dem das noch möglich ist.“

Kampagnengruppen kritisieren, dass die Öffentlichkeit nicht angemessen in den Prozess einbezogen worden sei. Umweltorganisationen argumentieren zudem, dass die Arbeiten in dem Gebiet ohne transparente Genehmigungen oder eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorangetrieben würden. Diese Bedenken wurden auch von EuroNatur und Riverwatch geäußert.

Geschütztes Land wird zum Politikum

Der Fall hat sich zu einer Debatte über Albaniens Entwicklungsmodell ausgeweitet. Der Tourismus ist zu einer zentralen wirtschaftlichen Priorität geworden, doch Kritiker sagen, dass jüngste Gesetzesänderungen geschützte Gebiete anfälliger für exklusive Bauprojekte gemacht hätten.

Im Jahr 2024 änderte Albanien sein Gesetz über Schutzgebiete. Nach Angaben von PPNEA schwächte die Reform die Schutzmechanismen für sensible Ökosysteme. Die International Union for Conservation of Nature (IUCN), die weltweite Autorität hinter der Roten Liste bedrohter Arten, forderte Albanien auf, das Gesetz zu überarbeiten und den Schutz vor Flughäfen, Luxusresorts und großen Infrastrukturprojekten in den am strengsten geschützten Gebieten wiederherzustellen.

Das Büro von Premierminister Edi Rama verteidigte den grundsätzlichen Ansatz der Entwicklungspolitik. Ein Regierungssprecher sagte dem Guardian:

„Kein europäisches Land, einschließlich Albanien, verfolgt den Grundsatz, dass Entwicklung und Umweltschutz unvereinbar sind. Die Herausforderung besteht nicht im Ausschluss des einen oder des anderen, sondern darin, ein Gleichgewicht zu finden.“

Der EU-Beitritt bringt eine weitere Bewährungsprobe

Die Kontroverse ist auch deshalb bedeutsam, weil Albanien bis 2030 der Europäischen Union beitreten möchte. Für einen EU-Beitritt muss das Land seine Gesetzgebung an die Umweltvorschriften der Union anpassen. Nach Angaben von Euronews und Euractiv hat die Europäische Kommission die albanischen Behörden aufgefordert, in der Frage des Resortprojekts unverzüglich zu handeln.

Die Sazan Real Estate Development LLC erklärte, sie respektiere die laufenden öffentlichen und institutionellen Verfahren. Der Vorsitzende des Unternehmens, Asher Abehsera, sagte dem Guardian:

„Unser Fokus liegt weiterhin auf verantwortungsvoller Bewirtschaftung, ökologischer Aufwertung, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Schaffung langfristiger Werte für die lokalen Gemeinschaften.“

Wissenschaftler bleiben jedoch skeptisch, dass ein großes Resort erhebliche Schäden vermeiden kann. Aleko Miho, Biologe an der Universität Tirana, warnte, dass Bauarbeiten, Verkehr und Flugbewegungen den Lebensraum erheblich stören oder beeinträchtigen könnten:

„Die Vögel werden ganz sicher wegfliegen.“

Quellen: The Guardian; Euronews; Euractiv; EuroNatur; Riverwatch.