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Experte: Europäer würden für Grönland genauso wenig sterben wie für die Ukraine – USA denken über Kauf nach

Greenland
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Der Ton zwischen den USA und Europa wird rauer. Im Streit um Grönland treffen strategische Interessen, alte Ideen und neue Sorgen aufeinander. Öffentliche Aussagen und interne Signale aus Washington sorgen für wachsende Unruhe bei Verbündeten.

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Mehrere deutsche und internationale Medien berichten übereinstimmend, dass Washington Grönland vor allem sicherheitspolitisch betrachtet. Die Insel gilt als Schlüsselregion in der Arktis, wo sich durch Klimawandel, neue Seewege und militärische Präsenz großer Mächte die strategische Lage verändert.

Aus dem Umfeld von Präsident Donald Trump heißt es, die Kontrolle über Grönland sei entscheidend für die Abschreckung von Rivalen. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt machte deutlich, dass verschiedene Optionen geprüft würden und auch militärische Mittel grundsätzlich nicht ausgeschlossen seien.

Der frühere Bundeswehr-Oberst Wolfgang Richter ordnete diese Aussagen laut Welt als Teil einer langfristigen US-Strategie ein, die den Schutz der westlichen Hemisphäre in den Mittelpunkt stelle.

Diplomatie statt Gewalt

Gleichzeitig zeichnen Berichte aus den USA ein weniger konfrontatives Bild. Welt berichtet unter Berufung auf das Wall Street Journal und die New York Times, dass US-Außenminister Marco Rubio intern betont habe, es gehe nicht um eine militärische Besetzung.

Vielmehr werde erneut über einen möglichen Kauf Grönlands nachgedacht. Nach Angaben der New York Times habe Trump seine Mitarbeiter gebeten, entsprechende Modelle zu aktualisieren. Die Idee war bereits während seiner ersten Amtszeit aufgekommen.

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Auch auf diplomatischer Ebene wird versucht, Spannungen zu dämpfen. Wie der dänische öffentlich‑rechtliche Rundfunk DR unter Berufung auf Reuters berichtet, erklärte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot nach einem Gespräch mit Rubio, dieser habe eine Invasion ausdrücklich zurückgewiesen.

Europäische Linien

In Europa stößt selbst die Kaufidee auf Widerstand. Mehrere Regierungen stellten gemeinsam klar, dass Grönland nicht verhandelbar sei und zur Bevölkerung der Insel gehöre, wie unter anderem die Welt berichtet.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte davor, dass jede Form von Zwang die Nato in eine schwere Krise stürzen würde. Auch in den USA gibt es Vorbehalte: Einzelne Senatoren erinnerten daran, dass bestehende Verträge die Souveränität Dänemarks schützen.

Nüchterne Experten

Eine ernüchternde Einschätzung liefern Fachleute gegenüber DR. Sicherheitsexperten erklären, dass Dänemark im Extremfall kaum militärische Unterstützung erwarten könne. Ein direkter Konflikt mit den USA sei weder realistisch noch gewinnbar.

Peter Viggo Jakobsen, Dozent am Institut für Strategie- und Kriegsstudien an der dänischen Militärakademie, sprach von einem Szenario ohne Aussicht auf Erfolg. „Es gibt niemanden, der militärisch auch nur einen Finger für Grönland rühren würde. Es kommt niemand, der uns hilft“, sagte er.

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Mit Blick auf mögliche Solidarität ergänzte Jakobsen: „Nein, natürlich nicht. Wir haben auch nicht vor, für die Ukraine zu sterben. Wir geben Geld, Waffen und andere Dinge, aber wir werden nicht selbst dorthin gehen, um zu sterben.“

Andere Experten verwiesen auf die enormen logistischen Herausforderungen und die Überlegenheit der US-Streitkräfte.

Bekannte Idee, neue Folgen

DR verweist darauf, dass der Gedanke eines amerikanischen Kaufs nicht neu ist. USA-Korrespondent Kim Bildsøe Lassen sagte, Washington setze darauf, wirtschaftliche Anreize so attraktiv zu gestalten, dass Grönland selbst einen solchen Schritt erwägen könnte.

Die aktuelle Debatte zeigt jedoch, dass der politische Preis hoch wäre. Für Europa und die Nato steht mehr auf dem Spiel als eine einzelne Insel.

Quellen: DR, Welt, New York Times, Wall Street Journal

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