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Sachsen-Anhalts Kliniken sind auf ausländische Fachkräfte angewiesen – AfD hofft auf Wahlsieg

Doctor brown skin Ulrich Siegmund election poster AfD
Achim Wagner / Shutterstock.com / KI-generiert

Viele Menschen in Sachsen-Anhalt verfolgen den engen Landtagswahlkampf mit ungewöhnlich großer Sorge. Der Ausgang der Wahl könnte für manche Familien auch die Frage beeinflussen, ob sie ihre Zukunft weiterhin in der Region sehen.

Ausländische Beschäftigte spielen in Sachsen-Anhalt eine wichtige Rolle – insbesondere in Krankenhäusern, in der Pflege sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem Arbeitskräftebedarf des Landes und der wachsenden Unterstützung für eine deutlich restriktivere Migrationspolitik.

The Guardian berichtet unter Berufung auf die Ärztekammer Sachsen-Anhalt, dass 27,1 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern des Landes keinen deutschen Pass besitzen. Ausländische Staatsangehörige machen rund 9 Prozent der Bevölkerung Sachsen-Anhalts aus. Bundesweit liegt ihr Anteil höher.

Hamid, ein im Iran geborener Rettungssanitäter, sagte der Zeitung, dass Beschäftigte mit Migrationsgeschichte für das Gesundheitswesen in der Region unverzichtbar seien. „Migranten machen einen riesigen Teil des Gesundheitswesens aus. Würde man sie herausnehmen, würde das gesamte System zusammenbrechen.“

Einige Migranten erwägen einen Wegzug

Sachsen-Anhalt steht vor einer Landtagswahl, deren Bedeutung weit über die Landesgrenzen hinausreichen könnte. Von The Guardian zitierte Umfragen deuten darauf hin, dass die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) stärkste Kraft werden könnte. Damit könnte sie erstmals in die Lage kommen, eine Landesregierung in Deutschland anzuführen.

Diese Aussicht beeinflusst bereits persönliche Entscheidungen in Teilen der migrantischen Bevölkerung. Migrantenorganisationen berichteten The Guardian, dass sich zunehmend Menschen mit der Frage an sie wenden, ob sie Sachsen-Anhalt verlassen sollten, falls sich das politische Klima nach der Wahl weiter verschärft.

Mit einem Durchschnittsalter von 48,2 Jahren hat Sachsen-Anhalt die älteste Bevölkerung aller Bundesländer. Zugleich sind ausländische Arbeitskräfte in Bereichen wie dem Gesundheitswesen und der Altenpflege von großer Bedeutung.

Ketevan Asatiani-Hermann, Mitglied des Integrations- und Migrationsbeirats der Stadt Magdeburg, sagte The Guardian, Sachsen-Anhalt könne es sich nicht leisten, diese Menschen zu verlieren.

Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024 nahm die Zahl der Berichte über rassistische Anfeindungen und Gewalt zu. Migranten und People of Color berichteten The Guardian, sie seien beleidigt, bedroht und in einigen Fällen auch körperlich angegriffen worden.

AfD fordert deutlich schärfere Regeln

Die Landtagswahl wird bundesweit aufmerksam verfolgt. Eine von der AfD geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt wäre ein weitreichender politischer Durchbruch für die Partei.

Nach Angaben von The Guardian haben die zuständigen Landesbehörden den AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten. Sollte es ihm gelingen, dieses Amt zu übernehmen, könnte er der erste rechtsextreme Politiker seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden, der ein deutsches Bundesland regiert.

Der Spiegel hat seinen politischen Aufstieg ausführlich beleuchtet und ihn in einem Porträt vom Januar 2026 als den gefährlichsten Mann in der AfD bezeichnet. Das deutsche Nachrichtenmagazin berichtete zudem, dass zu seinen Mitarbeitern Aktivisten mit Verbindungen zur Identitären Bewegung gehören.

Von The Guardian zitierte Umfragen deuten darauf hin, dass die AfD die meisten Stimmen erhalten könnte. Das allein würde jedoch noch keine Regierungsübernahme bedeuten. Im deutschen parlamentarischen System benötigen Parteien in der Regel Koalitionspartner, um eine Regierung bilden zu können.

Das Wahlprogramm des AfD-Landesverbands sieht unter anderem eine Verschärfung der Abschiebe- und Migrationspolitik, eine getrennte Beschulung von Flüchtlingskindern sowie Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Begriff „Remigration“ vor.

Für manche Asylsuchende ist diese Debatte längst keine abstrakte politische Auseinandersetzung mehr. Fatemeh, eine Iranerin, die mit ihrem Sohn nach Deutschland geflohen ist und noch auf die endgültige Entscheidung über ihren Asylantrag wartet, sagte, sie habe Angst davor, was ein Regierungswechsel für sie bedeuten könnte:

„Ich mache mir jeden Tag Sorgen. Ich kann nicht aufhören, an meinen Sohn zu denken und daran, was mit uns passieren könnte.“

Quellen: The Guardian, Der Spiegel