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Russin bekennt sich nach Olympia-Auftritt zur Ukraine

Winter Olympics
Eug Png / Shutterstock

Eine unscheinbare Szene bei der Olympia-Eröffnung bekam später politische Bedeutung.

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Erst Tage nach der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Mailand wurde klar, welche politische Botschaft sich hinter einem scheinbar routinierten Moment verbarg. Eine der freiwilligen Schildträgerinnen nutzte die weltweite Bühne für ein persönliches Statement.

Ihre Rolle blieb im Stadion anonym. Öffentlich machte sie sie selbst.

Offenbarung danach

Wie AP berichtet, erklärte die in Mailand lebende Russin Anastasia Kucherova im Nachhinein, dass sie bei der Parade der Nationen bewusst das Schild der Ukraine getragen habe. Zunächst habe sie ihre Beteiligung auf Instagram publik gemacht.

Die Architektin lebt seit 14 Jahren in Italien. Als die Organisatoren den Freiwilligen erlaubten, eine Präferenz für ein Land zu äußern, entschied sie sich nach eigenen Angaben gezielt für die Ukraine.

Während der Zeremonie war sie – wie alle anderen Beteiligten – durch Mantel, Kapuze und dunkle Brille nicht erkennbar. Ihre russische Herkunft wurde im Stadion nicht bekanntgegeben.

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Zeichen der Solidarität

Gegenüber der AP schilderte Kucherova, sie habe den ukrainischen Athletinnen und Athleten mit einer kleinen Geste zeigen wollen, dass nicht alle Menschen in Russland den Krieg unterstützten.

„Wenn man an der Seite dieser Menschen geht, merkt man, dass sie jedes menschliche Recht haben, Hass gegenüber jedem Russen zu empfinden“, sagte sie. „Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, auch nur eine kleine Handlung zu setzen, um ihnen zu zeigen, dass vielleicht nicht alle Menschen gleich denken.“

Nach ihren Worten hätten die Sportler sie sofort auf Russisch angesprochen. Darin habe sie eine tiefe, durch den Krieg belastete Verbindung zwischen beiden Gesellschaften erkannt.

Applaus im Stadion

Die ukrainische Delegation wurde von der Shorttrack-Läuferin Yelyzaveta Sydorko angeführt, auch Eiskunstläufer Kyrylo Marsak gehörte zum Team. Beide haben Väter, die im Krieg kämpfen.

Kurz vor dem Einmarsch habe sie versucht, Mut zu machen, berichtete sie der AP. Als dann im Stadion Beifall aufbrandete, empfand sie das als Anerkennung für „ihre Unabhängigkeit, ihren Willen zur Freiheit und ihren Mut, es trotz allem bis zu den Olympischen Spielen geschafft zu haben.“

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Internationale Sportereignisse gelten offiziell als unpolitisch, werden jedoch immer wieder zu Bühnen symbolischer Botschaften. Gerade im Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine sind solche Gesten besonders sensibel.

Bewusstes Risiko

Seit 2018 sei sie nicht mehr in Russland gewesen, sagte Kucherova laut AP. Sie wisse, dass öffentliche Kritik am Kreml Konsequenzen haben könne – auch für Menschen in ihrem Umfeld.

„Aber ich denke, wenn ich, die in einem demokratischen Land lebt und all diese Freiheiten genießt, Angst habe, dann bedeutet das, dass das Regime gewonnen hat“, erklärte sie.

Quelle: AP

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