Neue Beobachtungen stellen die Vorstellung eines „schläfrigen“ äußeren Sonnensystems infrage.
Die meisten Menschen denken an Saturn, wenn sie sich Ringe im Weltraum vorstellen. Dieser riesige Gasplanet verfügt über massive, leuchtende Bänder aus Eis und Staub.
Astronomen glaubten jahrzehntelang, dass nur Riesenplaneten solche Strukturen aufweisen könnten. Der kalte äußere Rand unseres Sonnensystems schien viel zu ruhig für kleinere Gesteinsbrocken zu sein.
Doch der Weltraum überrascht uns immer wieder.
62 Jahre für eine Sonnenumrundung
Ein kleiner Asteroid namens Chariklo umkreist die Sonne zwischen Saturn und Uranus. Er ist der größte bekannte Zentaur in unserer kosmischen Nachbarschaft. Chariklo misst lediglich 250 Kilometer im Durchmesser, schreibt Videnskab.
Er benötigt 62 Erdenjahre, um eine einzige Umrundung der Sonne zu vollenden. Dieser gefrorene Gesteinsbrocken birgt ein erstaunliches Geheimnis: Zwei schmale und dichte Ringe umschließen seine eisige Oberfläche wie straffe Seile.
Astronomen entdeckten diese seltsamen Ringe erstmals im Jahr 2013. Nun zeigen neue Daten des James-Webb-Weltraumteleskops unerwartete Aktivität.
Diese fernen Ringe verschieben und verändern sich aktiv im Laufe der Zeit. Ein großes Forscherteam teilte seine Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Science Advances“ mit.
Der Planetenwissenschaftler Vincent Kofman von der Universität Oslo äußerte sich sichtlich erstaunt. Experten betrachten das äußere Sonnensystem normalerweise als eine „schläfrige“ Gegend.
Nur sehr wenig Wärme erreicht diese Weite des Vakuums, um Dinge in Bewegung zu setzen. Wissenschaftler gingen einfach davon aus, dass physikalische Veränderungen in solch kalten Regionen selten vorkommen.
Dicke und Dichte
Das Studium dieser winzigen Ringe über große Entfernungen erfordert eine unglaubliche optische Leistung. Kofman verglich die Herausforderung damit, eine Waschmaschine auf dem Mond zu erkennen.
Die Forscher beobachteten, wie die Ringe direkt vor einem fernen Hintergrundstern vorbeizogen. Diese Messung des Sternenlichts zeigte deutliche Veränderungen in der Dicke und Dichte der Ringe.
Wissenschaftler haben mehrere Erklärungen für diese mysteriösen Veränderungen vorgeschlagen. Ständige Einschläge von Mikrometeoriten könnten Staub verschieben.
Starke magnetische Kräfte könnten die kalten Partikel ebenfalls in Bewegung versetzen. Eine weitere führende Theorie deutet auf einen winzigen Begleitmond hin. Kleine Asteroiden reisen oft paarweise als binäre Systeme.
Gravitationskräfte eines unsichtbaren Begleitmons könnten das Ringmaterial leicht stören. Die Schwerkraft könnte diesen Begleiter sogar gerade zerreißen. Diese Entdeckungen beweisen, dass ferne gefrorene Welten weitaus dynamischer sind, als man bisher angenommen hatte.