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KI-Revolution: SAP-Chef prognostiziert das Ende der Tastatur

Christian Klein, SAP CEO
By Norbert Steinhauser / SAP SE - SAP SE, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=193663198

SAP-CEO Christian Klein prognostiziert, dass die KI-Sprachübersetzung die Tastatur innerhalb von drei Jahren überflüssig machen wird. In einem Bloomberg Talk erklärte er, wie konversationelle KI aktiv globale Lieferketten verwalten wird.

Drei Jahrhunderte, nachdem ein englischer Ingenieur den ersten Schreibmaschinen-Prototyp patentierte, erklärt der CEO von Europas größtem Softwareunternehmen offiziell das Ende der physischen Tastatur. In einem kürzlichen Interview mit Fortune prognostizierte SAP-Chef Christian Klein beiläufig, dass die Ära der manuellen Dateneingabe in Unternehmenssysteme innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre vollständig vorbei sein wird. Statt mittlerer Manager, die über Laptops gebeugt Tabellenkalkulationen bearbeiten, werden Mitarbeiter einfach mit ihrer Software sprechen, um Arbeitsabläufe auszulösen und Finanzanalysen durchzuführen.

Um jedoch zu verstehen, wie diese sprachgesteuerte Zukunft tatsächlich funktioniert – und warum es sich nicht nur um leere Versprechungen handelt –, muss man sich ansehen, was Klein kürzlich im Bloomberg Talks Podcast erläuterte. Im Gespräch mit Anna Edwards und Guy Johnson von Bloomberg erklärte Klein, dass der eigentliche Kampf in der Unternehmens-KI nicht darin besteht, den intelligentesten generativen Chatbot zu entwickeln. Es gehe ausschließlich um die „Kontextschicht“. Ein KI-Agent könne Ihre Stimme perfekt verstehen, aber wenn er nicht die tiefgreifende, proprietäre Logik der Kernsysteme Ihres Unternehmens besitze, könne er eine Aufgabe nicht tatsächlich ausführen.

Indem SAP KI-Agenten direkt auf der eigenen ERP-Software (Enterprise Resource Planning) aufbaut, gibt das Unternehmen der KI im Wesentlichen die Schlüssel zum gesamten Unternehmensnervensystem. Klein bemerkte bei Bloomberg, dass Unternehmen jedes gewünschte große Sprachmodell – einschließlich günstigerer Open-Source-Modelle – austauschen können, da der wahre Wert darin liege, wie dieses Modell mit den sicheren, geschäftskritischen Daten eines Unternehmens interagiert. Sobald diese Sprach-zu-Daten-Übersetzungsschicht perfektioniert ist, können Sie Pipeline-Einträge protokollieren oder Lieferketten anpassen, indem Sie einfach laut sprechen.

Jenseits des vertikalen „Effizienz-Hacks“

Das Problem bei der Art und Weise, wie die meisten Fortune-500-Unternehmen derzeit künstliche Intelligenz nutzen, ist, dass sie sie wie einen billigen Trick behandeln. Ein Unternehmen investiert Millionen von Dollar in eine KI-Plattform, setzt sie in einem einzigen Bereich wie der Marketingabteilung ein und beklagt sich dann über einen geringen Return on Investment. Wie Klein gegenüber Fortune erklärte, ist dieser siloartige Ansatz völlig rückständig. Um den massiven „Token-Verbrauch“ und die steigenden F&E-Kosten, die er bei Bloomberg erörterte, tatsächlich zu rechtfertigen, muss KI horizontal über die gesamte Organisation hinweg agieren.

Er verwies auf ein großes Konsumgüterunternehmen, mit dem SAP derzeit zusammenarbeitet, als Blaupause. Das Unternehmen setzte einen KI-Agenten ein, der hervorragend darin war, die Kundennachfrage vorherzusagen und menschliche Prognostiker bei Weitem übertraf. Da dieser prädiktive Agent jedoch nicht tatsächlich mit den Beschaffungs- oder Fertigungsabteilungen kommunizierte, dauerte es immer noch Monate, den physischen Lagerbestand anzupassen.

Durch den Aufbau von End-to-End-Agenten, die diese grundverschiedenen Abteilungen miteinander verbinden, gelang es dem Unternehmen, seinen Gesamtbestand um beeindruckende 20 Prozent zu optimieren. Das ist nicht nur ein netter Effizienz-Hack; das ist eine massive, strukturelle Überarbeitung der Art und Weise, wie ein Unternehmen seine physische Lieferkette handhabt. Die Softwarebranche bewegt sich endlich über die theoretische „Was wäre wenn“-Phase der generativen KI hinaus und direkt in die brutale Realität angewandter, autonomer Unternehmenswerkzeuge, die tatsächlich mehrstufige Arbeitsabläufe ausführen.

Vorbereitung auf den geopolitischen „Kill-Switch“

Während Software-Manager gerne poetisch über eine utopische, reibungslose Arbeitszukunft schwärmen, fragmentiert sich das globale Geschäftsumfeld rasant. In seinen Gesprächen war Klein unglaublich offen über die Realität der „G4“-Wirtschaft – die Vereinigten Staaten, China, Europa und Indien. Die Ära der ungezügelten Globalisierung ist vorbei, ersetzt durch eine hyperfragmentierte Landschaft von Exportkontrollen, Gesetzen zur digitalen Souveränität und regelrechten Handelskriegen.

Da Unternehmenssoftware das buchstäbliche Nervensystem eines modernen multinationalen Konzerns ist, kann ein plötzlicher geopolitischer Streit zu einem existenzbedrohenden Ereignis werden. Wenn ein Land plötzlich verlangt, dass seine Cloud-Server geografisch abgegrenzt oder physisch von einem globalen Netzwerk getrennt werden, kann ein Unternehmen nicht einfach mit den Achseln zucken und seine Systeme offline nehmen. SAP baut aktiv eine Infrastruktur auf, die darauf ausgelegt ist, innerhalb weniger Tage auf lokale Cloud-Anbieter portiert zu werden, um sicherzustellen, dass Unternehmen plötzliche geopolitische Sanktionen oder regulatorische „Kill-Switches“ überleben.

Klein übte auch einen bemerkenswert scharfen Seitenhieb auf sein Heimatland bezüglich dieser neuen globalen Realität. Während die USA und China weiterhin aggressiv ihre wirtschaftliche Macht demonstrieren, bemerkte er, dass Europa nur in einer spezifischen Kategorie eine Supermacht sei: der Regulierung. Ohne eine einheitliche Banken-, Handels- oder Digitalunion sei Europa damit beschäftigt, über digitale Steuern zu debattieren, während seine Rivalen die eigentliche Zukunft aufbauen. Wenn man in der Ära der KI einen Platz am Tisch haben möchte, braucht man puren wirtschaftlichen Einfluss – und endlose Bürokratie reicht da einfach nicht aus.