Der Wettlauf um den Ausbau der Rechenkapazitäten verändert die Umweltbilanz der großen Technologiekonzerne. Stromverbrauch, Bauprojekte und Lieferketten stehen inzwischen im Mittelpunkt der Debatte.
Künstliche Intelligenz ist nicht nur eine weitere Phase des Wachstums von Cloud-Diensten. Anders als frühere digitale Expansionen erfordert der aktuelle Wettlauf hochverdichtete Rechenzentren, spezialisierte Hardware und einen konstant hohen Strombedarf in einem Ausmaß, das sich kurzfristig nur schwer mit sauberer Energie decken lässt.
Die Los Angeles Times berichtet unter Berufung auf die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen, dass Amazon und Google im Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg ihrer Emissionen verzeichneten.
Die Treibhausgasemissionen von Amazon stiegen gegenüber 2024 um 16 Prozent auf rund 81 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, während Google einen Anstieg seiner sogenannten „ambitionsbasierten“ Emissionen um 18 Prozent meldete.
Investoren verlangen klarere Antworten
Aktionäre fragen zunehmend, wie diese Zahlen mit den Klimaversprechen vereinbar sind, die vor dem beschleunigten KI-Boom abgegeben wurden.
Investoren forderten Amazon, Alphabet und Meta auf zu erklären, wie der stark steigende Strombedarf für KI mit ihren Klimazusagen vereinbar ist. Die entsprechenden Anträge fanden jedoch keine Mehrheit.
Microsoft und Meta haben ebenfalls erhebliche Emissionsanstiege gemeldet, während sie langfristige Umweltziele verfolgen. Meta strebt bis 2030 Netto-Null-Emissionen entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette an. Google verfolgt ebenfalls ein Netto-Null-Ziel bis 2030, während Amazon das Jahr 2040 anpeilt.
Der Stromverbrauch bleibt einer der deutlichsten Belastungsfaktoren. Googles Stromverbrauch stieg im vergangenen Jahr um 37 Prozent, wobei zusätzliche Einkäufe sauberer Energie dazu beitrugen, die Emissionen aus eingekauftem Strom leicht zu senken. Amazon meldete einen Anstieg der Emissionen aus zugekauftem Strom um 34 Prozent.
Auch der Bau verursacht Emissionen
Die CO₂-Belastung beginnt bereits, bevor eine Anlage in Betrieb geht. Google führte einen Anstieg der Scope-3-Emissionen in der Lieferkette um 25 Prozent hauptsächlich auf die Herstellung von Hardware sowie den Bau von Rechenzentren zurück.
Die Los Angeles Times berichtete außerdem, dass der Ausbau von Rechenzentren die Stromkosten beeinflusst und Investitionen in fossile Energieinfrastruktur, darunter Gaskraftwerke, fördert. Die Zeitung verwies dabei auf den Einsatz von Gasturbinen durch SpaceX für KI-Rechenzentren in Tennessee und Mississippi.
Für Klimaforscher besteht die Sorge darin, dass der Sektor zusätzliche Emissionen verursacht, während die übrige Wirtschaft unter Druck steht, ihre Emissionen zu senken.
Sasha Luccioni, Mitgründerin und wissenschaftliche Leiterin der Sustainable AI Group, sagte:
„Wir befinden uns im Grunde in einer Klimakrise, und eigentlich sollte es überhaupt kein Emissionswachstum mehr geben. Stattdessen entwickeln sich die Rechenzentren genau in die entgegengesetzte Richtung.“
Die Unternehmen betonen, dass der Ausbau ihre langfristigen Ziele nicht verändert habe, auch wenn deren Umsetzung zeitlich schwieriger werde. Google erklärte, der Weg zu Netto-Null werde ungleichmäßig verlaufen, „da der Ausbau unserer KI-Infrastruktur derzeit schneller voranschreitet als die Dekarbonisierung des Stromnetzes“.
Kara Hurst, Chief Sustainability Officer von Amazon, sagte:
„Auch wenn Geschwindigkeit und Ausmaß der Einführung von KI einzigartig sind – und sich der Wandel schneller und umfassender vollzieht als alles, was wir in unserem Leben bisher erlebt haben –, ist uns die Notwendigkeit, konsequent an unserer Vision festzuhalten und gleichzeitig bei den Details flexibel zu bleiben, durchaus vertraut.“
Während die Investitionen in KI weiter zunehmen, dürften Technologieunternehmen zunehmend unter Druck geraten, nachzuweisen, dass ihre Emissionen schnell genug gesenkt werden können, um mit dem rasanten Wachstum der Branche Schritt zu halten.
Quellen: Los Angeles Times