Das Album erscheint zu einer Zeit, in der vertraute Themen weiterhin generationenübergreifend nachhallen. Persönliche Erfahrungen und umfassendere Reflexionen verbinden sich zu einer Geschichte, die über ihren unmittelbaren Schauplatz hinausweist.
Paul McCartneys neues Album The Boys of Dungeon Lane erschien heute und führt eines der meistbeobachteten Leben der Popgeschichte zurück an seine frühesten Schauplätze.
Der 83-jährige Beatle sagte in einem Interview mit The Guardian, das Album sei aus Erinnerungen an Liverpool entstanden – an vertraute Straßen und Klänge, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben.
Das Album kehrt in die Kindheit zurück, jedoch nicht als weichgezeichnete Nostalgieübung. Stattdessen nutzt es kleine Details – Busse, Radios, Sozialwohnungen und Familienleben –, um etwas Unruhigeres und Rastloseres zu erschaffen.
McCartney sagte, diese Erinnerungen seien zutiefst persönlich:
„Viele Erinnerungen. Sehr tiefe. Für jeden anderen wären sie eigentlich völlig bedeutungslos.“
Das emotionale Zentrum des Albums ist nicht nur Liverpool, sondern auch die Menschen, die dort fehlen. McCartney sagte, John Lennon und George Harrison seien weiterhin mit Orten verbunden, die nur sie wirklich hätten wiedererkennen können.
„Mein Mitstreiter war wahrscheinlich einer der besten Songwriter des Jahrhunderts, also ja, man wird ihn vermissen“, sagte er über Lennon.
Wenn er über gemeinsame Orte schreibe, könne er sich noch immer vorstellen, wie Lennon auf die Details reagieren würde: „Ich kann seine Reaktion einschätzen: Das ist gut, nimm das rein.“
Bestimmte Orte tragen eine besondere Bedeutung
Produzent Andrew Watt half dabei, das Album stärker auf persönliche und konkrete Bezüge auszurichten. McCartney sagte, Watt habe ihn dazu ermutigt, Ortsnamen nicht nur deshalb zu streichen, weil die Zuhörer sie möglicherweise nicht kennen.
Dieser Rat ist wichtig, weil das Album von seiner Konkretheit lebt. Forthlin Road, Dungeon Lane und alte Wege durch Liverpool werden zu emotionalen Ankerpunkten statt zu bloßer Hintergrundkulisse.
Watt, der die Beatles seit Langem bewundert, sagte gegenüber The Guardian, die Zusammenarbeit mit McCartney sei „die größte Erfahrung meines Lebens“ gewesen.
Auf dem Album sind außerdem Ringo Starr, Chrissie Hynde und Sharleen Spiteri zu hören. McCartney räumte zudem ein, dass die Musik von Oasis ihn zu einem größeren und raueren Klangbild während der Aufnahmen inspiriert habe.
Die Lieder sind jedoch nicht nur warme Erinnerungsstücke. Das Interview verknüpft Erinnerungen an das Familienleben während des Krieges, knappe Haushaltsbudgets und alltägliche Unsicherheit mit einer Gegenwart, die von Krieg, politischer Wut und Sorgen über technologische Entwicklungen geprägt ist.
Dieser Kontrast verleiht dem Album eine schärfere Kante. McCartneys Vergangenheit wird zu mehr als einem privaten Archiv und verweist stattdessen darauf, wie Familien versuchen, weiterzumachen, wenn die Welt um sie herum instabil erscheint.
McCartney klingt dennoch optimistisch, was die Menschen betrifft. „Ich glaube immer noch, dass die Menschheit über eine enorme Widerstandskraft und einen großen Geist verfügt“, sagte er.
The Boys of Dungeon Lane ist ab sofort auf CD, LP und Kassette sowie bei verschiedenen Streaming-Diensten erhältlich.
Quelle: Interview in The Guardian mit Paul McCartney von Laura Barton.