Hilft ein USA-Boykott wirklich oder trifft er die Falschen?
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Amerikanische Produkte sind tief im europäischen Alltag verankert. Wer sie meiden will, steht vor praktischen und politischen Fragen. In Dänemark wird nun neu diskutiert, was Konsumverzicht tatsächlich bewirken kann.
Auslöser sind vor allem die internationalen Spannungen rund um Grönland. Doch schnell zeigt sich: Die Realität ist komplizierter als ein einfacher Boykottaufruf.
Digitale Abhängigkeit
Ein besonders deutliches Beispiel ist die Technik. Wie der dänische Sender DR berichtet, wird selbst bei europäischen IT-Lösungen häufig auf amerikanische Basissysteme zurückgegriffen.
In der Radiosendung P1 Debat verwies Mette Lundberg vom Branchenverband IT-Branchen darauf, dass Europa stärker reguliert als investiert habe. Das schaffe Bürokratie und erschwere echte Alternativen zu US-Konzernen.
Selbst wer amerikanische Dienste bewusst meidet, bleibt oft indirekt abhängig. Ein vollständiger Ausstieg sei kaum realistisch.
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Konsum und Gewohnheit
Auch im Supermarkt zeigt sich die Grenze des Protests. Laut DR erklärten mehrere Handelsketten, sie bemerkten bislang kaum Auswirkungen eines Boykotts amerikanischer Waren.
Ann Lehmann Erichsen, Verbraucherökonomin bei der AL Sydbank, sagte in P1 Debat, zwischen guter Absicht und tatsächlichem Kaufverhalten liege oft eine große Lücke. Menschen griffen am Ende zu dem, was sie kennen.
Gewohnheiten, Geschmack und Bequemlichkeit machten einen dauerhaften Verzicht schwierig, besonders bei globalen Marken.
Das Beispiel Mandeln
Ein Boykott amerikanischer Waren kann auch Regionen und Produzenten treffen, die politisch nicht auf Trumps Linie liegen.
Erichsen illustrierte das Dilemma mit einem einfachen Produkt: Mandeln aus Kalifornien. Der Bundesstaat gilt als demokratisch geprägt und wird von Gouverneur Gavin Newsom geführt, einem bekannten Kritiker Donald Trumps.
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Der Konsumverzicht verliere damit seine Zielgenauigkeit und könne sogar unbeabsichtigte Schäden verursachen.
Verflochtene Lieferketten
Hinzu kommen komplexe Produktionswege. Wie DR berichtete, wird etwa Coca-Cola für den dänischen Markt in Fredericia abgefüllt, obwohl die Marke amerikanisch ist.
Wer konsequent boykottieren wolle, müsse Zutatenlisten prüfen und Produktionsorte hinterfragen. Das könne auch europäische Arbeitsplätze betreffen.
Der Vorsitzende der dänischen Veteranen, Carsten Rasmussen, sagte laut DR, Trumps Aussagen über dänische Soldaten hätten Spuren hinterlassen. Dennoch sei ein vollständiger Boykott für ihn keine klare Lösung.
Quelle: DR