Die Russisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats ruft zum 'Heiligen Krieg' gegen die Ukraine auf

Geschrieben von Jasper Bergmann

Foto: Wiki Commons
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Das Moskauer Patriarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROC MP) hat einen "Heiligen Krieg" gegen die Ukraine ausgerufen.

Mit erheblichem Einfluss innerhalb der russischen Machtstrukturen hat das Moskauer Patriarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche den Konflikt in der Ukraine in dramatisch neuen Begriffen dargestellt.

Durch ein bedeutsames Dokument, das beim Weltkongress des Russischen Volkes genehmigt wurde, hat die Kirche die militärische Beteiligung Russlands in der Ukraine als "Heiligen Krieg" deklariert und eine Vision vermittelt, die religiösen Eifer mit nationalistischer Ideologie verwebt.

Laut dem Institute for the Study of War (ISW) deutet diese Entwicklung auf eine strategische Ausrichtung der geistlichen Autorität der Kirche mit den geopolitischen Ambitionen des Kremls hin, was auf eine mächtige Fusion von Religion und Staatspolitik hindeutet, die darauf abzielt, die russische Identität und territoriale Ansprüche zu festigen.

Ein Heiliger Krieg gegen die Ukraine

Die Erklärung eines "Heiligen Krieges" markiert eine kühne Eskalation in der Rhetorik um Russlands Handlungen in der Ukraine, die stark von den bisherigen Narrativen des Kremls abweicht.

Diese Rahmengebung heiligt nicht nur den Konflikt, sondern positioniert ihn auch als entscheidenden Moment in der Verteidigung des "Heiligen Russlands" gegen das Eindringen des Globalismus und die wahrgenommene moralische Degradation, die aus dem Westen zu kommen scheint.

Indem dies geschieht, hebt das ROC MP den Krieg von einer politischen zu einer spirituellen Kreuzzugsebene, was einen göttlichen Auftrag im geopolitischen Kampf impliziert.

Ein Russisches Weltbild formen

Zentral für die Vision der Kirche ist die Förderung des Russki Mir oder der Russischen Welt, ein Konzept, das über einfachen Nationalismus hinausgeht und eine spirituelle und kulturelle Gemeinschaft beschwört, die Grenzen überschreitet.

Diese Vision zielt darauf ab, ethnische Ukrainer und Belarussen in eine große Erzählung russischer Einheit zu absorbieren, die Souveränität und die distinkten Identitäten der Nachbarstaaten herausfordernd.

Durch gesetzgeberische und kulturelle Fürsprache strebt das ROC MP danach, diese expansive Vorstellung russischer Identität zu kodifizieren, die langfristigen Ziele des Kremls für regionale Dominanz und die Erosion der ukrainischen Staatlichkeit zu verstärken.

Demografische und kulturelle Verschiebungen adressieren

Angesichts der Sorgen über Russlands demografische Entwicklung hat das ROC MP eine ehrgeizige Agenda vorgelegt, die darauf abzielt, die russische Bevölkerung zu revitalisieren.

Der Aufruf der Kirche zur Rückkehr zu traditionellen Familienwerten und einer Überarbeitung der Migrationspolitik spiegelt eine breitere Strategie wider, um dem Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken und eine homogene russische Identität zu integrieren.

Diese Empfehlungen unterstreichen die Rolle der Kirche bei der Gestaltung der Sozialpolitik, mit dem Ziel, eine Gesellschaft zu formen, die ihre Vision von moralischer und kultureller Reinheit widerspiegelt.

Ein neuer ideologischer Rahmen

Die Bemühungen des ROC MP, den Konflikt in der Ukraine als Heiligen Krieg zu definieren und eine vereinigte russische Identität zu fördern, stellen einen strategischen Versuch dar, einen kohärenten ideologischen Rahmen zu schaffen, der die Ambitionen des Kremls unterstützt.

Dieser Rahmen sucht nicht nur den Krieg zu legitimieren, sondern auch das russische Volk um eine Erzählung von nationaler Erneuerung und spirituellem Schicksal zu sammeln. Dabei positioniert sich die Kirche als zentraler Architekt des russischen Nationalbewusstseins, indem sie religiöse Autorität mit politischer Macht verbindet.