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Ein treuer Hund verändert das Bestattungsrecht

Ein treuer Hund verändert das Bestattungsrecht
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São Paulo erlaubt gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier.

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Im brasilianischen Bundesstaat São Paulo dürfen Haustiere künftig gemeinsam mit ihren Besitzern beigesetzt werden, wie The Guardian berichtet. Das neue Gesetz schafft erstmals eine offizielle Grundlage für eine Praxis, die vielerorts lange umstritten war.

Unterzeichnet wurde die Regelung in dieser Woche von Gouverneur Tarcísio de Freitas. Nach Angaben der Landesregierung „erkennt das Gesetz die emotionale Bindung zwischen Haltern und ihren Haustieren an“ und gestattet die Beisetzung von Hunden und Katzen in Familiengräbern, sofern die Nutzungsrechte bei den Angehörigen liegen.

Der konservative Abgeordnete Eduardo Nóbrega, einer der Autoren des Gesetzes, schrieb dazu: „Jeder, der schon einmal ein Haustier verloren hat, weiß: Es ist nicht nur ein Tier. Es ist Familie.” Er argumentierte außerdem, die Neuregelung biete eine „würdige und zugängliche“ Alternative zur bislang üblichen Einäscherung, deren Kosten häufig als Belastung empfunden würden.

Hintergrund der Reform

Ähnliche Bestimmungen existieren laut The Guardian bereits in den Bundesstaaten Rio de Janeiro und Santa Catarina. Auf nationaler Ebene wird seit 2023 über einen entsprechenden Gesetzentwurf im Abgeordnetenhaus beraten.

Nicht überall verlief die Debatte reibungslos. In der Stadt Apucarana im Bundesstaat Paraná gab es 2024 Widerstand von Kommunalpolitikern, die Friedhöfe als „heiligen Boden“ bezeichneten. Am Ende wurde auch dort eine vergleichbare Regelung verabschiedet.

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In São Paulo erhielt das Gesetz besondere Aufmerksamkeit, weil es informell nach einem Hund benannt wurde, dessen Geschichte landesweit bekannt wurde.

Ein Hund als Symbol

Der Mischlingshund Bob hatte nach dem Tod seiner Besitzerin im Jahr 2011 über Jahre hinweg auf einem Friedhof in Taboão da Serra ausgeharrt. Wie The Guardian berichtet, kehrte er trotz mehrfacher Versuche von Angehörigen stets dorthin zurück.

Später wurde das Tier von Mitarbeitern des Friedhofs versorgt und entwickelte sich zu einer bekannten Figur vor Ort. Sein Tod bei einem Verkehrsunfall im Jahr 2021, nachdem er das Friedhofsgelände verlassen hatte, löste große öffentliche Anteilnahme aus.

Mangels gesetzlicher Grundlage erlaubte der Stadtrat damals eine Ausnahme, sodass er bei seiner früheren Besitzerin beigesetzt werden konnte.

Eine Tierschutzorganisation errichtete anschließend eine Statue zu seinem Andenken. Auf der Tafel heißt es: „Unsere Würdigung und unser Dank für deine Lektionen in Liebe und Treue“ sowie „Angesichts der Trauer hat [Bob] uns gelehrt, ‚kleine Bälle‘ und Aufmerksamkeit zu schenken, wenn andere sie am meisten brauchen“.

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Mit dem nun verabschiedeten Gesetz wird seine Geschichte offiziell zum Symbol für eine rechtliche Anerkennung der engen Bindung zwischen Mensch und Tier.

Quelle: The Guardian