Mit der Veröffentlichung der Epstein-Akten nehmen auch gezielte Desinformationskampagnen zu.
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Die Veröffentlichung neuer Unterlagen im Fall Jeffrey Epstein sorgt international für Schlagzeilen.
Nach Recherchen von ARD-faktenfinder werden die freigegebenen Dokumente gezielt für Desinformationskampagnen genutzt. Vor allem prorussische Akteure verbreiten demnach unbelegte oder manipulierte Inhalte über westliche Spitzenpolitiker.
Angriffe auf EU-Spitzen
In Frankreich kursierte zuletzt ein Video, das wie ein seriöser Nachrichtenbeitrag gestaltet war. Darin wurde behauptet, aus den Epstein-Akten gehe hervor, Präsident Emmanuel Macron habe ein sexuelles Interesse an Minderjährigen. Für diese Darstellung gibt es keinerlei Belege.
Die französische Behörde Viginum, zuständig für die Abwehr ausländischer Einflusskampagnen, sieht Verbindungen zur russischen Gruppe Storm-1516. Zusätzlich tauchte ein gefälschter Artikel im Layout der Zeitung France Soir auf. Das Medium dementierte umgehend und sprach von einem Missbrauch seines Namens.
Julia Smirnova vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) sieht darin ein typisches Vorgehen prorussischer Einflusskampagnen: Echte Dokumente würden mit erfundenen Behauptungen kombiniert, um politische Führungspersonen in Misskredit zu bringen.
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Mechanismen der Desinformation
Die nun veröffentlichten Akten umfassen tausende Seiten mit Zeugenaussagen, E-Mails und Gerichtsunterlagen. In dieser Materialfülle lassen sich einzelne Namen leicht herauslösen und ohne Kontext weiterverbreiten.
„Für russische Desinformation und Propaganda war die Veröffentlichung der Epstein-Files der perfekte Anlass, um alte Falschbehauptungen wieder neu zu verbreiten“, sagt Smirnova.
Durch die Vielzahl an Meldungen wird gezielt der Eindruck erzeugt, westliche Politiker und Eliten seien insgesamt in die Vorgänge verstrickt. Die bloße Erwähnung eines Namens in den Dokumenten stellt jedoch keinen Beleg für strafbares Verhalten dar.
Ukraine im Fokus
Besonders häufig wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj genannt. Die russische Staatsagentur Tass schrieb, die Dokumente würden belegen, dass Selenskyj „in den Handel mit Frauen und Kindern verwickelt ist“. Auch der Sender 5TV erklärte, er habe sich in den Akten „als Förderer des dunklen Geschäfts in der Ukraine“ erwiesen.
Eine Überprüfung der veröffentlichten Unterlagen ergibt dafür keine Grundlage. Laut einer Analyse der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform finden sich im Zusammenhang mit Selenskyj „keine Hinweise auf Menschenhandel“. Erwähnungen betreffen demnach überwiegend Medienberichte oder indirekte Bezüge.
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Bilder als Beweisstück
Zusätzlich verbreitete sich ein Foto, das Epstein mit einem jungen Selenskyj zeigen soll. Experten halten es für manipuliert.
Philipp Dewald vom Unternehmen Detesia erklärte: „Bei dem verbreiteten Bild von Selenskyj und Epstein handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine gezielte digitale Manipulation. Unsere visuelle Analyse zeigt deutliche Inkonsistenzen in Lichtführung, Übergängen und Gesichtsproportionen.“
Eine Rückwärtssuche führt zu einem gerichtlich freigegebenen Originalbild, das Epstein mit Ghislaine Maxwell zeigt. Hinweise deuten darauf hin, dass lediglich das Gesicht ausgetauscht wurde.
Quelle: ARD-faktenfinder