Ein internes Dokument aus dem Kreml deutet auf neue Überlegungen hin.
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Während sich Spitzenpolitiker in München zur Sicherheitskonferenz versammeln, rückt eine mögliche geopolitische Verschiebung in den Fokus. Hinter den Kulissen soll Moskau Optionen für eine Annäherung an Washington prüfen.
Wie der Frankfurter Rundschau unter Verweis auf Bloomberg berichtet, beschreibt ein internes Papier aus dem Kreml Szenarien für eine Zusammenarbeit mit den USA nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs.
Diplomatie unter Druck
Die Diskussionen fallen in eine Phase hoher Spannungen. Der Krieg steht kurz vor Beginn seines fünften Jahres, zugleich wächst der internationale Druck auf beide Seiten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte laut ZDF, die USA hätten eine neue Frist für ein Kriegsende bis Juni gesetzt. Diese zeitliche Marke verleiht diplomatischen Initiativen zusätzliche Brisanz.
Ökonomische Öffnung
Zentraler Punkt des Kreml-Dokuments ist laut Bloomberg die mögliche Rückkehr Russlands zum Dollar-Abwicklungssystem. Nach Jahren der Abkehr vom US-Dollar wäre dies ein bemerkenswerter Strategiewechsel.
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Das Memo argumentiert demnach, eine erneute Nutzung des Dollars könne den Devisenmarkt stabilisieren und Zahlungsabwicklungen berechenbarer machen. Seit 2022 sind Dollar-Transaktionen ein zentrales Sanktionsinstrument des Westens.
Darüber hinaus werden Bereiche genannt, in denen wirtschaftliche Kooperation denkbar wäre, sollte es zu einer politischen Einigung kommen.
Energie und Industrie
Genannt werden unter anderem gemeinsame Projekte im Öl- und LNG-Sektor, auch bei schwer erschließbaren Vorkommen. Das Dokument sieht vor, frühere US-Investitionen einzubeziehen, um amerikanischen Unternehmen einen Ausgleich entstandener Verluste zu ermöglichen.
Zudem ist von Luftfahrtverträgen zur Modernisierung der russischen Flotte die Rede, ebenso von einer möglichen Beteiligung US-Firmen an Produktionsvorhaben.
Weitere Felder umfassen laut Bloomberg Kooperationen in der Kernenergie, Rohstoff- und Seltene-Erden-Projekte sowie eine engere Zusammenarbeit bei fossilen Energieträgern.
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Westliche Skepsis
Laut Bloomberg sehen mit dem Memo vertraute westliche Beamte in einzelnen Punkten den Versuch, Spannungen zwischen Washington und den europäischen Unterstützern der Ukraine zu verstärken.
Zudem handele es sich bei manchen Vorschlägen um vage Offerten mit hohen Summen, die den US-Präsidenten zu einem Abkommen bewegen könnten, das am Ende womöglich nicht umgesetzt werde.
Ob und in welchem Umfang es tatsächlich zu einer Annäherung zwischen Moskau und Washington kommen könnte, ist derzeit offen. Der weitere Verlauf des Ukraine-Kriegs sowie die Haltung der westlichen Staaten dürften entscheidend dafür sein, ob aus den im Dokument skizzierten Punkten konkrete Verhandlungen entstehen.
Quellen: Frankfurter Rundschau, Bloomberg, ZDF