Was lange wie eine provokante Randidee klang, entwickelt sich zu einem strategischen Knotenpunkt westlicher Politik und privater Vermögen. Grönland, autonomer Teil des Königreichs Dänemark, rückt zugleich wegen Rohstoffen, Militärstrategie und Klimawandel ins Zentrum internationaler Aufmerksamkeit.
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Recherchen von US- und britischen Medien zeigen, dass wirtschaftliche Interessen und politische Einflussnahme dabei eng miteinander verwoben sind.
Geopolitische Lage
Grönland besitzt weitgehende Selbstverwaltung, bleibt außen- und sicherheitspolitisch jedoch an Dänemark gebunden. Seine Lage zwischen Nordamerika, Europa und der Arktis verleiht der Insel militärische Bedeutung, während schmelzendes Eis neue Schifffahrtsrouten eröffnet.
Nach Angaben von Forbes bezeichnete Präsident Donald Trump die Kontrolle über Grönland zuletzt erneut als Frage der nationalen Sicherheit. Europäische Regierungen betonten daraufhin öffentlich die Souveränität der Insel.
The Guardian berichtet, dass dänische Vertreter davor warnten, ein Zwangsvorgehen eines Nato-Mitglieds gegen ein anderes würde das Bündnis grundsätzlich infrage stellen.
Der politische Ursprung
Der Anstoß für Trumps ursprüngliches Interesse kam nicht aus dem Staatsapparat. Sowohl Forbes als auch The Guardian zitieren den früheren Sicherheitsberater John Bolton, dem zufolge der Unternehmer Ronald Lauder dem Präsidenten 2018 erstmals vorschlug, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen.
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Lauder, Erbe des Estée-Lauder-Konzerns, gehört seit Jahrzehnten zum persönlichen Umfeld Trumps. Beide Medien beschreiben, dass die Idee daraufhin intern geprüft wurde.
Private Investitionen
Wie Forbes unter Berufung auf die dänische Zeitung Politiken berichtet, investierte Lauder später selbst in Grönland, unter anderem in ein Frischwasserunternehmen sowie in Projekte rund um Wasserkraft. Politiken habe dabei politische Nähe zu Entscheidungsträgern thematisiert.
Parallel dazu stiegen laut Forbes Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg über den Fonds Breakthrough Energy beim Bergbau-Startup KoBold Metals ein, das mithilfe von KI nach seltenen Erden suchte. KoBold erklärte gegenüber Forbes, aktuell keine Aktivitäten in Grönland zu unterhalten.
Rohstoffe und Interessen
Seltene Erden gelten als Schlüssel für Elektronik, Energiewende und Rüstung. The Guardian verweist auf öffentliche Aussagen Lauders in der New York Post, wonach Grönland in einem globalen Wettbewerb um Ressourcen eine zentrale Rolle spiele.
Ein von Forbes zitierter dänischer Sicherheitsexperte stellte den wirtschaftlichen Wert der Projekte infrage und betonte, dass sie vor allem den Zugang zu grönländischen Politikern stärken könnten.
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Mögliche Folgen
Über Grönland hinaus könnte die Debatte politische Spannungen vertiefen. Wiederholte Andeutungen von Zwangsmaßnahmen belasten das Vertrauen zwischen den USA und europäischen Partnern, insbesondere Dänemark. Die Diskussion berührt damit Grundfragen der Nato und der transatlantischen Zusammenarbeit.
Gleichzeitig könnte der internationale Druck die innenpolitische Dynamik in Grönland verändern. Forderungen nach größerer Autonomie oder vollständiger Unabhängigkeit erhalten neues Gewicht, wenn äußere Mächte verstärkt Einfluss nehmen.
Wirtschaftliche Investitionen werden dabei sowohl als Chance für Entwicklung als auch als Risiko für politische Selbstbestimmung wahrgenommen.
Was als Gedankenspiel begann, entwickelt sich so zu einer Frage, die über Rohstoffe hinausreicht: wie viel Einfluss externe Akteure auf die Zukunft eines strategisch gelegenen Landes nehmen dürfen.
Quellen: Forbes, The Guardian, New York Post, Politiken