Ein Putin-Plakat in einem russischen Supermarkt sorgt für Aufsehen.
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Offiziell spricht der Kreml von Stabilität und Kontrolle. Doch im Alltag vieler Menschen sieht die Lage anders aus. Steigende Preise treffen breite Bevölkerungsschichten – und machen selbst kleine Gesten zu politischen Signalen.
Ein Vorfall aus der Provinz zeigt, wie sensibel das Thema geworden ist und warum wirtschaftlicher Druck zunehmend öffentlich sichtbar wird.
Spürbarer Alltag
Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich die Inflation in Russland deutlich beschleunigt.
Wie ZDFheute berichtet, stieg sie zeitweise auf fast 18 Prozent. Auch 2025 lag sie noch bei etwa zehn Prozent, bevor sie sich gegen Jahresende auf rund fünf Prozent abschwächte.
Für viele Haushalte reicht diese Entspannung nicht aus. Lebensmittel verteuern sich stärker als andere Güter, während Einkommen zuletzt kaum noch zulegten.
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Politische Sensibilität
Hohe Preise gelten in autoritär regierten Staaten als besonders heikel. Sie treffen den Alltag unmittelbar und lassen sich schwer erklären oder beschönigen.
Alexander Koljandr, der zur russischen Wirtschaft forscht, sagt laut ZDFheute: „Die Lebensmittelinflation ist höher als die allgemeine Inflation.“ Gerade Menschen mit geringen Einkommen spürten die Belastung zuerst.
Hinzu kommt, dass steigende Staatsausgaben und Sanktionen die Preisentwicklung weiter antreiben – ein Zusammenhang, den die Regierung öffentlich nur begrenzt thematisiert.
Unmut im Netz
Soziale Medien dienen vielen Russinnen und Russen als Ventil. Auf Telegram rechnen Nutzer:innen vor, wie teuer Einkäufe geworden sind, oder kommentieren ironisch neue Preisschilder.
Diese Beiträge bleiben meist individuell und verstreut. Breiter Protest entsteht daraus bislang nicht, auch weil viele an frühere Krisen erinnert sind.
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Dennoch zeigt die Häufung der Klagen, dass die Geduld sinkt.
Ein Symbol entsteht
In der Kleinstadt Busuluk, rund 1.200 Kilometer von Moskau entfernt, verdichtete sich dieser Frust zu einem Symbol. Wie ZDFheute berichtet, verband dort ein Plakat in einem Supermarkt steigende Preise direkt mit Präsident Wladimir Putin, dessen Abbild auf dem Plakat verpixelt war.
Darauf stand: „Die Preise sind 2026 gestiegen, dank dieses Mannes“ und „Seid nicht schüchtern, eure Dankbarkeit zu äußern.“
Das Video davon verbreitete sich rasch. Einige Kunden empfanden das Plakat als „Beleidigung“ und forderten, dass es entfernt werde.
Reaktion von oben
Die Behörden prüften den Vorfall nach einer Anzeige, fanden jedoch keinen Gesetzesverstoß. Russische Telegram-Kanäle berichten von einer „linguistischen Untersuchung“, die ohne Konsequenzen blieb.
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Der Kreml versucht parallel, Erfolge hervorzuheben. Putin verwies auf seiner Jahrespressekonferenz auf sinkende Eierpreise, die um fast 16 Prozent gefallen seien.
Doch der Fall Busuluk zeigt: Auch kleine Zeichen können in Zeiten hoher Inflation politische Bedeutung gewinnen.
Quelle: ZDFheute