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Putins Russland erklärt: Britische Analyse mit warnendem Ausblick

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Ein Mord in London und ein Krieg im Südkaukasus wirkten wie frühe Warnsignale. Doch erst Jahre später setzte sich im Westen die Erkenntnis durch, dass sich Russland grundlegend verändert hatte. Ein neues britisches Buch rekonstruiert, wie es dazu kam und warum viele diese Entwicklung übersahen.

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Im Mittelpunkt steht die Frage, wie politische Macht aus einem kollektiven Gefühl der Kränkung entstehen konnte.

Frühe Brüche

Als der Kremlkritiker Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet wurde, kühlten die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland spürbar ab. Zwei Jahre später machte der Krieg in Georgien deutlich, dass Moskau bereit war, militärische Gewalt einzusetzen, um Einfluss zu sichern.

Der heutige Konflikt mit dem Westen habe sich nicht plötzlich entwickelt, sondern lange vorbereitet, argumentiert der britische Journalist und Forscher James Rodgers in seinem Buch The Return of Russia: From Yeltsin to Putin, the Story of a Vengeful Kremlin..

Ein übersehener Hintergrund

Wie die finnische Zeitung Helsingin Sanomat unter Berufung auf Rodgers berichtet, unterschätzten westliche Regierungen das Ausmaß der Demütigung, die viele Russen nach dem Zerfall der Sowjetunion empfanden.

In den 1990er-Jahren erlebte Russland einen tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Umbruch. Der abrupte Übergang zur Marktwirtschaft ging mit Armut, Unsicherheit und internationalem Bedeutungsverlust einher.

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Rodgers beschreibt diese Phase als Nährboden für eine neue politische Ordnung.

Putins Aufstieg

Wladimir Putin habe dieses Gefühl der Erniedrigung gezielt aufgegriffen und in politische Legitimität verwandelt. Während Präsident Boris Jelzin für viele Russen Chaos und Bloßstellung verkörpert habe, sei Putin als Garant von Stabilität wahrgenommen worden.

Der Westen hingegen setzte lange auf Kooperation. Zwischen 2001 und 2003 war der Optimismus laut Rodgers besonders ausgeprägt. Russland wurde Teil der G8 und über den Nato-Russland-Rat (NRC) in einen institutionellen Dialog mit der Nato eingebunden – zeitweise wurde es im Westen als Partner behandelt.

Fehlkalkulationen

Aus Moskauer Sicht bedeutete diese Annäherung jedoch Anpassung an fremde Regeln. Besonders die Nato-Erweiterung blieb ein zentraler Konfliktpunkt.

Wie Helsingin Sanomat unter Verweis auf die Sunday Times berichtet, kritisierte der spätere britische Premierminister David Cameron nach dem Georgienkrieg 2008 die westliche Doppelmoral. Die russische Armee dürfe nicht in andere Länder einmarschieren, während russische Konsumenten gleichzeitig weiter in Luxuskaufhäusern einkaufen, schrieb er damals sinngemäß.

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Blick nach vorn

Rodgers warnt, dass mangelnde Russlandkenntnis ein Problem sei. In seinem Buch verweist er auf den früheren finnischen Präsidenten Juho Kusti Paasikivi, der Finnland von 1946 bis 1956 führte und führende Politiker großer Mächte als historisch und geografisch ahnungslos beschrieb.

Die Lage werde sich nicht automatisch entspannen. Im Gegenteil: Rodgers hält sogar einen neuen Kalten Krieg für möglich und schließt nicht aus, dass ein künftiger russischer Präsident noch härter auftreten könnte als Putin.

Quelle: Helsingin Sanomat