Ein alter russischer Witz macht derzeit die wirtschaftliche Schieflage des Landes deutlich.
Gerade lesen andere
Russlands Staatsfinanzen geraten zunehmend ins Ungleichgewicht. Während der Krieg in der Ukraine weiter enorme Mittel bindet, brechen wichtige Einnahmequellen weg. Die Regierung reagiert mit höheren Abgaben – und das sorgt für wachsenden Unmut.
Experten sehen eine klare Prioritätensetzung in Moskau. Doch für Unternehmen und Verbraucher verschärft sich die Lage spürbar.
Öl als Problem
Wie Focus Online unter Berufung auf Angaben des russischen Finanzministeriums berichtet, lagen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft im Januar nur noch bei 393,3 Milliarden Rubel (4,3 Milliarden Euro). Das sei der niedrigste Stand seit der Corona-Pandemie.
Da Energieexporte traditionell als tragende Säule des Haushalts gelten, trifft der Rückgang den Staat besonders hart. Das Haushaltsdefizit war bereits Anfang 2025 deutlich gestiegen.
Der Politologe Alexander Libman vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin erklärte im Gespräch mit dem Spiegel, zitiert von Focus Online, dass der Anteil der Rohstoffeinnahmen am Etat auch deshalb sinke, weil andere Einnahmequellen an Bedeutung gewännen – etwa die erhöhte Mehrwertsteuer und eine bereits 2025 angehobene Körperschaftsteuer.
Lesen Sie auch
Steuern steigen
Wie ZDFheute berichtet, wurde die Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn auf 22 Prozent erhöht. Auch für Unternehmen gelten strengere Regeln. Damit versucht der Kreml, die wegbrechenden Energieerlöse auszugleichen.
Welche Folgen das haben kann, zeigte sich bereits im Dezember 2025 bei der Jahrespressekonferenz von Präsident Wladimir Putin. Dort wandte sich der Bäcker Denis Maximow aus einem Moskauer Vorort mit deutlichen Worten an den Präsidenten.
„Ehrlich gesagt, schauen wir nicht mit viel Optimismus in die Zukunft. Viele Geschäfte könnten schließen.“ Zudem sagte er: „Ab nächstem Jahr müssen wir Einkommensteuer und Mehrwertsteuer zahlen.“
Im Gespräch mit ZDFheute schilderte Maximow, seine Steuerzahlungen seien von 120.000 Rubel im Jahr auf rund 400.000 Rubel pro Monat gestiegen.
Prioritäten in Moskau
Trotz der angespannten Lage rechnen Beobachter nicht mit Einschnitten beim Militär. Libman verwies, wie Focus Online unter Berufung auf den Spiegel berichtet, auf einen in Russland kursierenden Witz: „Kommt ein Vater nach Hause und erzählt dem Sohn: ‚Schlechte Nachrichten, die Wodkapreise sind gestiegen.‘ – ‚Oha‘, sagt der Sohn, ‚wirst du jetzt weniger trinken, Papa?’– ‚Nein, Sohn, du wirst weniger essen.'“
Lesen Sie auch
Die Pointe spiegele die Erwartung wider, dass Ausgaben eher zulasten anderer Bereiche verschoben werden. Auch der in London forschende Ökonom Alexander Koljandr sagte ZDFheute: „Allerdings muss die Regierung neue Wege finden, den Krieg zu finanzieren.“
Einen unmittelbaren finanziellen Kollaps Russlands erwarten weder Libman noch Koljandr. Doch die Spielräume werden enger – für den Staat ebenso wie für viele Unternehmer.
Quellen: ZDFheute, Focus Online, Der Spiegel