Ermittler räumten ein, dass sie nicht feststellen können, welcher der beiden eineiigen Brüder den Abzug betätigte.
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Der Fall hat die Grenzen der DNA-Beweisführung offengelegt und beunruhigende Fragen darüber aufgeworfen, wie Gerechtigkeit hergestellt werden kann, wenn Verdächtige genetisch nicht zu unterscheiden sind.
Tödliches Rätsel
Eineiige Zwillingsbrüder stehen in Frankreich wegen der Tötung zweier junger Männer vor Gericht, die bei einer Schießerei in einem Keller im Pariser Vorort Saint-Ouen ums Leben kamen.
Die Opfer wurden am 14. September 2020 in der Wohnsiedlung Soubise mehrfach angeschossen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angriff mit einem Sturmgewehr verübt wurde, kann jedoch nicht beweisen, welcher der Zwillinge die tödlichen Schüsse abgab.
An der Waffe sichergestelltes genetisches Material stimmt mit beiden Verdächtigen überein, den 33-jährigen Brüdern Samuel und Jérémy Y, da sie dieselbe DNA teilen.
DNA-Dilemma
Die Zwillinge sind monozygot, das heißt, sie entwickelten sich aus einer einzigen befruchteten Eizelle und sind genetisch identisch.
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Infolgedessen können forensische Tests nicht zwischen ihnen unterscheiden, sodass die Ermittler die Tatwaffe keiner einzelnen Person eindeutig zuordnen können.
Nach Angaben der BBC werden beide Männer außerdem beschuldigt, an mehreren versuchten Tötungsdelikten beteiligt gewesen zu sein, die mit einem organisierten Bandenangriff am 3. Oktober 2020 in Verbindung stehen.
Spannungen im Gerichtssaal
Der Prozess wird vor dem Schwurgericht in Bobigny nahe Paris verhandelt.
Am Dienstag, dem 8. Februar, wurden beide Brüder aus dem Gerichtssaal verwiesen, nachdem sie sich geweigert hatten aufzustehen, berichtete die BBC.
Während die Staatsanwaltschaft behauptet, die Zwillinge hätten gemeinsam die Tötungen geplant, argumentiert die Verteidigung, es gebe keinen Beweis dafür, welcher Bruder die Schüsse tatsächlich abgegeben habe.
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Identitäten getauscht
Die Polizei geht davon aus, dass die Brüder ihr identisches Aussehen gezielt nutzten, um sich der Strafverfolgung zu entziehen.
Kommandant Dumas, Leiter der Kriminalbrigade, sagte der Zeitung Le Parisien: „Sie tauschen sowohl Kleidung als auch Telefonleitungen und Ausweisdokumente.“
„Sehr lange Zeit haben sie diese Zwillingsschaft in ihren kriminellen Karrieren ausgenutzt“, sagte er.
„Nur ihre Mutter konnte sie auseinanderhalten.“
Quellen: BBC, Le Parisien, Express.