Die Trump-Gruppe erhielt Berichten zufolge keine Warnung, etwaige Compliance-Probleme zu beheben, bevor sie den Zugang zu ihrem Geld verlor.
Bankgeschäfte basieren auf Vertrauen, doch manchmal entscheidet eine Bank, dass ein Kunde das Risiko nicht mehr wert ist.
Wenn dieser Kunde zufällig zu den bekanntesten Familien der Welt gehört, kann eine einfache Kontoschließung schnell zu einem massiven Rechtsstreit eskalieren.
Eine unschöne Trennung
Capital One möchte aus einem massiven Rechtsstreit aussteigen. Die Bank bat kürzlich einen Bundesrichter in Florida, eine Klage der Trump Organization abzuweisen.
Der Streit reicht bis ins Jahr 2021 zurück, als die Bank rund 385 Konten schloss, die mit Donald Trump, seinem Sohn Eric und verschiedenen Familienunternehmen verbunden waren. Zu diesen Unternehmen gehörten ein Golfplatzentwickler und ein Weingut.
Das Team des ehemaligen Präsidenten behauptet, die Bank habe sie aus politischen Gründen nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar fallen gelassen. Die Bank hingegen erzählt laut Gerichtsunterlagen, die von NPR zitiert werden, eine ganz andere Geschichte.
Dem Geld auf der Spur
Capital One sagt, Politik habe damit nichts zu tun gehabt. Stattdessen verweist die Bank auf eine langwierige Überprüfung, die von ihrer Abteilung für Finanzkriminalität durchgeführt wurde.
Die Anwälte der Bank schrieben, die Beweise würden „deutlich machen, dass Capital One die Konten der Kläger aus Gründen der Geldwäschebekämpfung (‚AML‘) geschlossen hat“.
Die Bank besteht darauf, dass diese Entscheidung nach monatelanger eingehender Analyse getroffen wurde. Das interne Team hinter der Überprüfung soll angeblich Experten umfasst haben, die jahrzehntelange Erfahrung in der Strafverfolgung mitbrachten.
Dennoch erhielt die Trump-Gruppe Berichten zufolge keine Warnung, etwaige Compliance-Probleme zu beheben, bevor sie den Zugang zu ihrem Geld verlor.
Weitreichende Vertragsregeln
Die Bank beruft sich fest auf das Kleingedruckte ihrer Kundenvereinbarungen. Capital One argumentiert, sie habe das Recht gehabt, ein Konto „jederzeit, aus beliebigem oder keinem Grund und ohne Vorankündigung“ zu schließen.
Die Trump-Unternehmen bestreiten diese spezifische Vertragsregel nicht. Tatsächlich wies der Richter, der den Streit beaufsichtigte, eine frühere Version der Klage im März aus einem ähnlichen Grund ab.
Nun möchte Capital One, dass diese geänderte Klage endgültig abgewiesen wird. Die Bank behauptet, dass Bundesgeheimhaltungsgesetze sie tatsächlich daran hindern, Details über ihre internen Ermittlungen preiszugeben.
Kampf gegen die Banken
Dieser Gerichtssaal-Zusammenstoß ist nur ein Teil eines viel größeren Puzzles. Die Familie Trump verklagt auch JPMorgan Chase wegen ähnlicher Kontoschließungen aus genau demselben Zeitraum.
Im vergangenen August unterzeichnete der Präsident eine Durchführungsverordnung, die Finanzinstitute ins Visier nimmt, die Konten aus politischen Gründen schließen. Konservative haben diese Praxis als „Debanking“ bezeichnet.
Für Capital One und das Trump-Team ist dies bekanntes Terrain. Der Präsident verklagte die Bank bereits 2019, um zu verhindern, dass sie seine Finanzunterlagen an einen Kongressausschuss übergibt.
Quellen: NPR, AP