Seine Entscheidung, die Uniform zu wechseln, machte ihn zu einem Hauptziel.
Wer in einem großen Konflikt die Seiten wechselt, verbringt oft den Rest seines Lebens damit, sich umzublicken.
Die Vergangenheit holt diejenigen, die ihre Posten verlassen, auf die eine oder andere Weise ein. Manchmal kommt der entscheidende Schlag aus einer völlig unerwarteten Richtung.
Plötzliche Explosion
Am Morgen des 13. August erschütterte eine tödliche Explosion die besetzte Stadt Sewastopol. Ersten Berichten zufolge war eine Bombe in einem örtlichen Mülleimer versteckt.
Laut O2 tötete die Explosion einen russischen Militäroffizier. Das Opfer wurde laut russischen und ukrainischen Telegram-Kanälen bald als Robert Shagiev identifiziert.
Das Nachrichtenportal Ukrainian Truth berichtete, dass sein Tod offiziell durch das Projekt „Book of Executioners“ bestätigt wurde. Forscher bemerkten, dass seine russische Steueridentifikationsnummer plötzlich auf einer Liste ungültiger Einträge erschien.
Eine unwahrscheinliche Verdächtige
Ermittler fanden schnell ihre Verdächtige. Es handelte sich um eine Person ohne militärischen Hintergrund. The Telegraph berichtete, dass die Behörden Margarita Reut wegen des tödlichen Anschlags festnahmen.
Die 32-jährige Frau arbeitet als Prostituierte und lebt in der Küstenstadt Sotschi. Sie sieht sich nun schwerwiegenden Terrorismusvorwürfen gegenüber.
Berichten zufolge sagte sie den Ermittlern, dass sie keine Reue für das Attentat empfinde.
Sie war den Behörden bereits wegen ihrer offen geäußerten politischen Ansichten bekannt. Die Polizei hatte sie zuvor in einem Zug nach einem ukrainischen Drohnenangriff festgenommen, wo sie rief: „Das habt ihr verdient, Russen!“
Seitenwechsel
Shagiev hatte eine lange und komplizierte Militärgeschichte. Er wurde 1977 auf der Krim geboren und diente jahrelang im ukrainischen Militär.
Bis 2013 war er in den Rang eines Kommandanten aufgestiegen. Er übernahm das Kommando über die „Zaporozhye“, das einzige U-Boot der ukrainischen Flotte.
Doch alles änderte sich, als russische Streitkräfte im Frühjahr 2014 auf die Krim vorrückten.
Die Konsequenzen tragen
Die ukrainische Militärführung befahl Shagiev, sein U-Boot in den sicheren Hafen von Odessa zu verlegen. Er weigerte sich jedoch strikt, dem Befehl Folge zu leisten.
Stattdessen blieb er auf der Krim und unterzeichnete einen neuen Vertrag mit dem russischen Militär. Schließlich wurde er stellvertretender Kommandant der Schwarzmeerflotte.
Seine Entscheidung, die Uniform zu wechseln, machte ihn zu einem Hauptziel. Ukrainian Truth merkte an, dass Beamte in Kiew ihn offiziell als Deserteur betrachteten und ihn wegen Hochverrats anklagen wollten.
Quellen: O2, Ukrainian Truth, Book of Executioners, The Telegraph, Telegram