Einzelhändler weiten ihre vertrauten Dienstleistungen zunehmend auf Bereiche aus, die bislang vor allem spezialisierten Anbietern vorbehalten waren. Ein bevorstehendes Projekt ist jedoch zunächst räumlich begrenzt und hängt noch von der Genehmigung durch die Behörden ab.
Costco bereitet gemeinsam mit der gemeinnützigen Krankenversicherungsorganisation SCAN Group die Einführung gemeinsam vermarkteter Versicherungsprodukte im Rahmen von Medicare vor, dem staatlichen US-Krankenversicherungsprogramm. Damit baut die Einzelhandelskette ihr Engagement im Gesundheitsbereich über die bereits in ihren Warenhäusern und über bestehende Gesundheitsangebote verfügbaren Dienstleistungen hinaus aus.
Die geplanten Produkte gehen über die bisherige Rolle von Costco als Leistungserbringer und bevorzugte Apotheke im Rahmen von SCAN Health Plan hinaus. Das Unternehmen betreibt bereits Apotheken, Optikabteilungen und Hörzentren und ist damit in mehreren Bereichen der alltäglichen Gesundheitsversorgung etabliert.
Laut The Wall Street Journal verhindern bundesrechtliche Vorschriften, dass die Versicherungen in Costco-Mitgliedschaften enthalten sein können. Die Produkte werden daher getrennt von den üblichen Mitgliedervorteilen der Kette angeboten. Zudem steht die Genehmigung durch die zuständigen Bundesbehörden noch aus.
Pilotprojekt umfasst drei Bundesstaaten
Die erste Einführung soll drei bislang nicht genannte Bundesstaaten umfassen, berichtet The Wall Street Journal. Der Versicherungsschutz wird sich dabei je nach Markt unterscheiden, anstatt in allen drei Bundesstaaten nach demselben Modell angeboten zu werden.
In zwei Bundesstaaten sollen gemeinsam vermarktete Medicare-Advantage-Versicherungen angeboten werden, im dritten sind ergänzende Medicare-Versicherungen vorgesehen. Der geografisch begrenzte Start gibt den Unternehmen die Möglichkeit zu prüfen, wie sich die Produkte bewähren, bevor eine breitere Expansion in Betracht gezogen wird.
Richard Stephens, Senior Vice President von Costco und verantwortlich für das Apothekengeschäft, bezeichnete die Einführung als Pilotprojekt. Nach seinen Angaben will Costco mit dem Pilotprojekt prüfen, ob die Produkte zu den Mitgliedern passen und deren Bedürfnisse erfüllen, bevor über eine mögliche Einführung in weiteren Märkten entschieden wird.
Leistungen werden mit bestehenden Angeboten verknüpft
SCAN-CEO Sachin Jain zufolge sollen die Versicherungen mit Leistungen für unter anderem verschreibungspflichtige Medikamente, Seh- und Hörprodukte, Lebensmittel sowie rezeptfreie Produkte verbunden werden. Ziel ist es, mehrere häufig genutzte Leistungen in einem stärker vernetzten System zusammenzuführen.
„Wir versuchen, etwas zu schaffen, das für die Menschen äußerst einfach zu nutzen ist und ihnen einen nahtlosen Zugang zu ihren Leistungen ermöglicht“, sagte Jain gegenüber The Wall Street Journal.
Die bestehenden Gesundheitsangebote von Costco könnten den Kunden mehrere Möglichkeiten bieten, diese Leistungen zu nutzen. Nach Angaben von Costco werden bereits Leistungskarten und Prepaid-Karten im Zusammenhang mit Medicare Advantage für den Kauf rezeptfreier Produkte an sämtlichen Kassen akzeptiert. Damit besteht bereits eine Verbindung zwischen bestimmten Krankenversicherungsleistungen und dem Einzelhandelsgeschäft des Unternehmens.
Die geplanten Versicherungen stellen daher eher eine Ausweitung der bestehenden Präsenz von Costco im Gesundheitsbereich dar als einen erstmaligen Einstieg in diesen Sektor. Ob das Pilotprojekt über die ersten Märkte hinaus ausgeweitet wird, hängt zunächst von der behördlichen Genehmigung ab und anschließend davon, welche Erkenntnisse Costco und SCAN aus dem begrenzten Start gewinnen und wie die Kunden auf die neuen Produkte reagieren.
Quellen: The Wall Street Journal; SCAN Group