Ein aufstrebender Dienst wächst über begrenzte Testläufe hinaus, während Einzelhändler darum konkurrieren, die Zeit vom Kauf bis zur Lieferung an die Haustür zu verkürzen. Eine breitere Verfügbarkeit wird jedoch weiterhin vom Standort, von Luftfahrtvorschriften und praktischen betrieblichen Einschränkungen abhängen.
Während Einzelhändler nach Möglichkeiten suchen, Lieferzeiten zu verkürzen und kleinere Bestellungen effizienter zu befördern, weiten sich Drohnendienste zunehmend über begrenzte Pilotprogramme hinaus aus, berichtet die Daily Mail. Amazon zufolge soll Prime Air bis Ende 2026 fast 500 Städte und Gemeinden erreichen – mehr als sechsmal so viele wie derzeit.
Das Netzwerk wird inzwischen von elf Standorten in zehn Metropolregionen aus betrieben. Damit verfügt das Unternehmen über eine Basis, von der aus der Dienst auf zahlreiche weitere Vorortgemeinden ausgeweitet werden kann.
Geeignete Bestellungen wiegen in der Regel höchstens fünf Pfund und passen in einen großen Schuhkarton. Amazon zufolge können Lieferungen innerhalb von nur 30 Minuten eintreffen, während die meisten Kunden ihre Bestellungen derzeit innerhalb von etwa einer Stunde erhalten. Damit eignet sich der Dienst vor allem für relativ kleine Einkäufe und weniger für größere Bestellungen, die üblicherweise mit Lieferwagen und Lastwagen transportiert werden.
Prime-Mitglieder zahlen für qualifizierte Bestellungen ab 50 Dollar keinen Aufpreis. Bei kleineren Prime-Bestellungen fällt eine Gebühr von 2,99 Dollar an, während Nichtmitglieder 4,99 Dollar zahlen. Damit setzt Amazon auf ein vergleichsweise einfaches Preismodell, während das Unternehmen eine breitere Nutzung des Dienstes erprobt.
Weitere Städte kommen bald hinzu
Chicago, Syracuse, Cleveland, Atlanta und Boise stehen als Nächstes auf Amazons Expansionsliste. Jeder bestehende Prime-Air-Standort deckt etwa 175 Quadratmeilen ab, allerdings kommt nicht jede Adresse innerhalb der aufgeführten Postleitzahlengebiete für den Dienst infrage.
Amazon-Chef Andy Jassy erklärte gegenüber den Aktionären, Prime Air wolle bis zum Jahresende Gemeinden mit insgesamt 30 Millionen Kunden bedienen und bis zum Ende des Jahrzehnts eine halbe Milliarde Pakete ausliefern. Das Ziel verdeutlicht, in welchem Umfang Amazon den Betrieb ausbauen will, sofern die geplante Expansion erfolgreich verläuft.
Forrester-Einzelhandelsanalystin Sucharita Kodali warnte davor, die Expansion als Beleg dafür zu werten, dass Drohnen bereits ein ausgereifter Lieferkanal seien. Gegenüber der Associated Press sagte sie: „Es ist immer noch ein Experiment. Es befindet sich weiterhin in einer Test- und Lernphase.“
Amazon hat Prime Air auch über die Vereinigten Staaten hinaus ausgeweitet, wenngleich die internationale Präsenz bislang begrenzt bleibt. Im Februar 2026 begannen in Darlington, England, kommerzielle Drohnenlieferungen. Damit nahm das Unternehmen erstmals einen regulären Dienst außerhalb der USA auf. Zuvor hatte Amazon auch Lieferungen in Italien geplant, diese Einführung jedoch im Dezember 2025 aufgegeben.
FAA-Vorschriften bestimmen das Wachstum
Die Federal Aviation Administration (FAA) führt Prime Air als regulären Betreiber gemäß Part 135 und erklärt, dass das Unternehmen routinemäßig kommerzielle Paketzustellungen außerhalb der Sichtweite der Piloten durchführt. Solche Genehmigungen sind entscheidend, um Drohnennetzwerke über streng begrenzte Testgebiete hinaus ausbauen zu können.
Amazon expandiert, während Walmart sein eigenes Drohnennetzwerk weiterentwickelt. Walmart teilte im Mai mit, die Marke von einer Million Drohnenlieferungen überschritten zu haben und den Dienst von 66 Filialen in vier Bundesstaaten aus zu betreiben. Dies unterstreicht den zunehmenden Wettbewerb um schnelle Lieferungen.
Drohnen bleiben ein Bestandteil eines umfassenderen Liefersystems, das auch auf Logistikzentren und konventionelle Fahrzeuge angewiesen ist. Selbst bei einer erheblichen Ausweitung dürften sie diese etablierten Netzwerke eher ergänzen als ersetzen.
Quellen: Amazon, Associated Press, FAA, Walmart, Daily Mail