Im nationalsozialistischen Deutschland beschränkte sich politische Beeinflussung keineswegs auf Reden und Wahlplakate. Das Regime nutzte Rundfunk, Zensur, öffentliche Veranstaltungen und alltägliche Institutionen, um die Bevölkerung nahezu überall mit seiner eigenen Sicht auf die Wirklichkeit zu konfrontieren.
Schon bevor die NS-Bewegung die Macht in Deutschland übernahm, hatten Adolf Hitler und Joseph Goebbels erkannt, welchen politischen Nutzen Angst, Verbitterung und Hoffnung entfalten konnten.
Goebbels, der in Literaturwissenschaft promoviert hatte, wurde zu einem der wichtigsten Propagandisten der Partei.
Komplexe Probleme wurden auf leicht verständliche Erzählungen reduziert. Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg, der Versailler Vertrag, wirtschaftliche Not und politische Instabilität galten als Belege dafür, dass Deutschland gedemütigt und verraten worden sei.
In ihren Reden präsentierten die Nationalsozialisten griffige Feindbilder. Juden wurden wahrheitswidrig für die Probleme des Landes verantwortlich gemacht, während Kommunisten und demokratische Politiker als gefährliche Gegner eines nationalen Wiederaufstiegs dargestellt wurden.
An die Stelle einer differenzierten politischen Argumentation setzten die Nationalsozialisten eine emotionale Erzählung: Deutschland leide, Feinde trügen die Schuld, und Hitler weise den Weg zurück zu Stärke und Größe, schreibt HistorieNet.
Goebbels passte zudem die Schwerpunkte seiner Botschaft an das jeweilige Publikum an. Vor Arbeitern konnten wirtschaftliche Missstände im Vordergrund stehen, während bei nationalistisch eingestellten Zuhörern eher militärische Niederlage, verlorenes Ansehen und nationale Einheit beschworen wurden. Die Ideologie blieb dieselbe, doch die Art, wie sie vermittelt wurde, konnte sich ändern.
Reden, Parteizeitungen und öffentliche Versammlungen sorgten dafür, dass dieselben zentralen Botschaften im politischen Alltag immer wieder auftauchten.
Die Krise verlieh der Kampagne neuen Auftrieb
Der wirtschaftliche Zusammenbruch nach 1929 vergrößerte den Resonanzraum für radikale Politik erheblich. Die Arbeitslosigkeit stieg, Unternehmen gingen zugrunde, und Millionen Deutsche verloren zunehmend das Vertrauen in die etablierten Parteien.
Die Nationalsozialisten nutzten diese Unsicherheit mit Versprechen von Arbeit, Ordnung und nationalem Wiederaufstieg. Für Probleme, deren Ursachen weit komplexer waren, machten sie die Nachkriegsordnung, parlamentarische Politiker und angebliche innere Feinde verantwortlich.
Bei öffentlichen Großkundgebungen wurden diese Botschaften zum Spektakel. Uniformen, Fahnen, Aufmärsche, Musik und sorgfältig inszenierte Auftritte vermittelten Disziplin, Geschlossenheit und Dynamik. Die großen Menschenmengen sollten den Eindruck erwecken, die Bewegung verkörpere Deutschlands politische Zukunft.
Auch Gewalt gehörte zum Wahlkampf. SA-Männer störten Veranstaltungen politischer Gegner, lieferten sich Auseinandersetzungen mit Gegnern und trugen zu einem zunehmend bedrohlichen politischen Klima bei.
Die Partei setzte außerdem intensiv auf Plakate, Zeitungen, Tonaufnahmen und Film. Bei der Reichstagswahl im Juli 1932 erreichte die NSDAP rund 37 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Partei im Reichstag, blieb jedoch weit von einer absoluten Mehrheit entfernt.
Im Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Methoden, mit denen die Nationalsozialisten zuvor um Aufmerksamkeit und Zustimmung geworben hatten, konnten nun mit den Mitteln des Staates durchgesetzt werden.
Die Staatsmacht brachte konkurrierende Stimmen zum Schweigen
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verschwand der politische Wettbewerb in kürzester Zeit. Oppositionszeitungen wurden verboten, konkurrierende Organisationen zerschlagen und die Presse einer weitreichenden staatlichen Kontrolle unterworfen.
Goebbels wurde Reichspropagandaminister und stand damit im Zentrum der Bemühungen, Presse, Rundfunk, Film und Kultur im Sinne des Regimes zu steuern.
Die Regierung stellte Erfolge heraus und unterdrückte zugleich Informationen, die der von ihr gewünschten Darstellung widersprachen.
Sinkende Arbeitslosenzahlen, öffentliche Bauvorhaben und die militärische Aufrüstung wurden als Belege für den nationalen Wiederaufstieg präsentiert. Repression, Verfolgung und die Zerstörung demokratischer Institutionen fanden keine vergleichbare öffentliche Darstellung.
Besonders wichtig war der Rundfunk, weil sich politische Botschaften damit bis in die Wohnungen im ganzen Land tragen ließen. Bedeutende Reden und Verlautbarungen erreichten ein Massenpublikum, während die staatliche Kontrolle des Rundfunks konkurrierende politische Stimmen weitgehend verdrängte.
Auch Kino, Wochenschauen, Theater und andere Bereiche des kulturellen Lebens wurden überwacht. Inhalte, die als regimefeindlich galten, konnten ausgeschlossen werden, während erwünschte Produktionen das Bild eines selbstbewussten und geeinten Deutschlands festigten.
Propaganda beruhte deshalb nicht nur darauf, neue Botschaften zu verbreiten, sondern ebenso darauf, den öffentlichen Zugang zu anderen Sichtweisen einzuschränken.
Die Ideologie drang in den Alltag ein
Kinder begegneten nationalsozialistischer Politik keineswegs nur in offiziellen Reden. Schulen, Jugendorganisationen, Spielzeug und öffentliche Feiern konnten gleichermaßen ideologische Botschaften vermitteln.
Der Unterricht vermittelte zunehmend rassistische Vorstellungen, Gehorsam und nationale Pflichterfüllung. Jugendorganisationen förderten Disziplin und Loyalität gegenüber Hitler und dehnten den politischen Einfluss des Regimes damit bis in die Freizeit und das Sozialleben von Kindern und Jugendlichen aus.
Erwachsene begegneten derselben Ideologie in Zeitungen, im Rundfunk, im Kino, auf Plakaten und bei öffentlichen Zeremonien. Begriffe wie Führertum, nationale Einheit und Wiederaufstieg tauchten damit auch in Bereichen auf, die mit einem herkömmlichen Wahlkampf kaum noch etwas zu tun hatten.
Wie HistorieNet festhält, ging es dem Regime darum, die Bevölkerung zu formen und nicht lediglich darum, sie an der Wahlurne zu überzeugen.
Durch die ständige Wiederholung wurden nationalsozialistische Vorstellungen zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Alltags. Zugleich erschwerten Zensur und Zwang nach Angaben des United States Holocaust Memorial Museum es, abweichende Ansichten offen zu äußern.
Die Propaganda überzeugte keineswegs alle Deutschen. Manche unterstützten das Regime aus Überzeugung, andere passten sich an, während wiederum andere skeptisch blieben oder Widerstand leisteten.
Doch je stärker die Zensur wurde und je gefährlicher offene Kritik wurde, desto schwieriger wurde es, die vom Regime vorgegebene Darstellung öffentlich infrage zu stellen.
Die Olympischen Spiele inszenierten eine makellose Fassade
Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin konnten ausländische Besucher erleben, wie geschickt das Regime sein internationales Erscheinungsbild inszenierte.
Juden und politische Gegner waren zu diesem Zeitpunkt bereits Verfolgung ausgesetzt. Einige der sichtbarsten Hinweise darauf wurden jedoch vorübergehend verdeckt oder aus besonders auffälligen Bereichen des öffentlichen Raums entfernt.
Berlin wurde auf internationale Gäste vorbereitet, und das Regime präsentierte große Sportstätten, während Deutschland zugleich als geordnetes, modernes und friedliches Land erscheinen sollte.
Auch im Inland diente das Großereignis der Propaganda. Die aufwendige Organisation, die riesigen Zuschauermengen und die internationale Aufmerksamkeit ließen sich als Beleg dafür darstellen, dass Deutschland wieder an Ansehen gewonnen habe.
Diese Wirkung endete nicht mit der Abreise der Besucher. Die Regisseurin Leni Riefenstahl, die bereits eng mit der nationalsozialistischen Inszenierungskultur verbunden war, machte aus den Spielen Olympia, einen zweiteiligen Film, der 1938 erschien.
Die eindrucksvollen Bilder von Athleten, monumentaler Architektur und Massenzeremonien bewahrten eine idealisierte Darstellung der Spiele und verknüpften körperliche Schönheit, Disziplin und nationale Stärke noch enger mit dem öffentlichen Selbstbild des Regimes.
Die Olympischen Spiele waren damit Teil eines sehr viel umfassenderen Systems. Nationalsozialistische Propaganda wirkte im Zusammenspiel mit Zensur, Einschüchterung, Nationalismus, Antisemitismus, wirtschaftlicher Unsicherheit und der Zerstörung demokratischer Institutionen. Das Regime nutzte all diese Faktoren, um ein vereinfachtes Bild von Deutschlands Problemen und seinem angeblichen Wiederaufstieg zu vermitteln.
Ihr Einfluss reichte weit über politische Reden hinaus. Propaganda begegnete den Menschen in Unterhaltung, Bildung, öffentlichen Zeremonien und alltäglichen Abläufen. Dadurch wurde es im öffentlichen Leben des nationalsozialistischen Deutschlands zunehmend schwieriger, sich der vom Regime vermittelten Weltsicht zu entziehen.
Quellen: HistorieNet, United States Holocaust Memorial Museum, Leni Riefenstahls Olympia / YouTube