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Nach dem Inferno von Crans-Montana: Ermittlungen treffen auf Sicherheitslücken

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Die Brandnacht von Crans-Montana hat die Schweiz tief erschüttert. Während landesweit getrauert wird, rücken grundlegende Fragen zu Sicherheit, Verantwortung und Kontrolle in den Mittelpunkt. Ermittlungen und gesellschaftliche Debatten laufen parallel.

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Alle 40 Todesopfer des Brandes sind identifiziert, wie ZDFheute unter Berufung auf die Walliser Polizei berichtet. Unter ihnen sind 20 Minderjährige, die Opfer stammen aus mehreren europäischen Ländern. Ein nationaler Trauertag mit Gedenkfeier ist für den 9. Januar geplant.

In Crans-Montana selbst prägen Trauermärsche und Gedenkgottesdienste das Bild. Bundespräsident Guy Parmelin kündigte seine Teilnahme an der zentralen Feier an, wie ZDFheute berichtet.

Viele der 119 Verletzten befinden sich weiterhin in kritischem Zustand. Mehrere Betroffene wurden zur Behandlung in spezialisierte Kliniken in Deutschland verlegt.

Psychologische Hilfe

Neben der medizinischen Versorgung steht die Betreuung der Angehörigen im Fokus. SRF berichtet, dass Care Teams aus verschiedenen Kantonen im Einsatz sind, um Familien und Überlebende zu begleiten.

Irmela Moser, Leiterin eines Care Teams, sagte laut SRF: „Empathie ist das Wichtigste“. Viele Betroffene litten unter Schuldgefühlen und der quälenden Ungewissheit der ersten Tage.

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Bewusst werde auf Medikamente verzichtet, um die emotionale Verarbeitung nicht zu überdecken, erklärte Moser. Ziel sei Stabilisierung durch Gespräche und familiären Zusammenhalt.

Sicherheit und Verantwortung

Unabhängig von individuellen Schuldfragen lenkt die Katastrophe den Blick auf strukturelle Risiken in Innenräumen.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen wurde das Feuer durch Sprühkerzen ausgelöst, die in der Bar eingesetzt wurden und brennbares Material an der Decke entzündeten, wie Behördenangaben zufolge mehrere Medien berichten. Der Brand breitete sich daraufhin in sehr kurzer Zeit aus.

Der Fall wirft damit grundsätzliche Fragen zum Einsatz schallabsorbierender Materialien in Bars auf. Solche Materialien können, abhängig von Beschaffenheit und Alter, im Brandfall eine schnelle Ausbreitung begünstigen.

Welche baulichen Standards gelten und wie konsequent sie eingehalten und kontrolliert werden, ist nun Teil einer breiteren Debatte.

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Im Kanton Wallis liegt die Verantwortung für die feuerpolizeilichen Kontrollen öffentlich zugänglicher Gebäude bei den Gemeinden. Diese Zuständigkeit rückt nach dem Brand stärker in den Fokus – nicht nur in Crans-Montana, sondern auch darüber hinaus.

Justizielle Aufarbeitung

Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Betreiber der Bar Le Constellation. Ihnen wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen, berichtet Blick. Untersucht wird auch, ob bauliche und organisatorische Sicherheitsvorgaben eingehalten wurden.

Gemeindepräsident Nicolas Féraud wies, wie Blick berichtet, gegenüber RTS Vorwürfe unzureichender Kontrollen zurück und sagte: „Bei der Kontrolle von Bars gab es bei der Gemeinde Crans-Montana keine lasche Haltung“ Die Gemeinde beteiligt sich als Zivilklägerin am Verfahren.

Ob die Ermittlungen individuelle Fehler oder systemische Versäumnisse aufdecken, dürfte entscheidend für die weitere Aufarbeitung sein.

Quellen: Blick, SRF, ZDFheute

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