Die Schweiz hält inne. Nach der tödlichen Brandkatastrophe der Silvesternacht stehen staatliche Rituale, politische Symbolik und persönliche Betroffenheit nebeneinander. Der nationale Trauertag bündelt diese Ebenen – und legt zugleich offen, wie tief das Ereignis nachwirkt.
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Die Schweiz begeht heute einen nationalen Trauertag im Gedenken an die Opfer des Brandes in Crans-Montana. 40 junge Menschen verloren ihr Leben, 116 wurden schwer verletzt. Wie SRF berichtet, sollen um 14:00 Uhr landesweit Kirchenglocken läuten, begleitet von einer Schweigeminute.
Der Bund erklärte den Freitag offiziell zum Trauertag. Öffentliche Institutionen, Schulen und Gemeinden sind aufgerufen, eigene Formen des Gedenkens zu gestalten. Damit rückt nicht nur der Staat, sondern die gesamte Gesellschaft in eine Rolle des Mittragens.
Symbolik und Politik
Kernpunkt der offiziellen Gedenkakte ist eine Zeremonie im Messezentrum CERM in Martigny. Die nicht öffentliche Trauerfeier beginnt um 13:45 Uhr und wird live übertragen, wie SRF meldet. Angehörige der Opfer und geladene Gäste nehmen teil.
Neben Mitgliedern des Bundesrats werden zahlreiche internationale Vertreter erwartet. Eingeladen sind Delegationen aus 37 Staaten sowie der Europäischen Union. Die Präsenz ausländischer Staats- und Regierungsvertreter unterstreicht die internationale Dimension der Tragödie.
Sicherheit und Alltag
Die hochrangige Beteiligung bringt sichtbare Folgen mit sich. In Martigny gelten umfassende Sicherheitsmaßnahmen, es kommt zu Sperrungen und Einschränkungen im Bahnverkehr. Gleichzeitig finden im ganzen Land lokale Traueraktionen statt – von stillstehenden Trams in Bern bis zu schulischen Gedenkformen, berichtet SRF.
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Belastung jenseits der Zeremonien
Während offizielle Rituale Struktur geben sollen, zeigen sich die emotionalen Folgen besonders bei jungen Menschen. In einem weiteren Beitrag berichtet SRF, dass sich Bilder und Videos aus der brennenden Bar „Le Constellation“ über soziale Medien rasch verbreitet haben und Jugendliche teils ungefiltert erreichten.
Mehrere Jugendliche berichten gegenüber SRF von Angst, Überforderung und der Identifikation mit den Opfern. „Wir hätten auch auf dieser Party sein können“, sagt die 16-jährige Sofia. Andere schildern, wie stark sie die Nähe im Alter zu den Betroffenen belastet.
Hilfe und Verarbeitung
Die Notrufnummer 147 von Pro Juventute verzeichnet derzeit deutlich mehr Anfragen, besonders in der Romandie. Direktorin Nicole Platel erklärt gegenüber SRF, die geografische und soziale Nähe verstärke das Bedürfnis nach Unterstützung.
Kinder- und Jugendpsychologe Matthias Obrist betont gegenüber SRF, dass Reaktionen sehr unterschiedlich ausfallen. Entscheidend sei, ob Jugendliche sich persönlich betroffen fühlten.
Fachpersonen raten dazu, Gefühle ernst zu nehmen, Gespräche zu ermöglichen und den Konsum belastender Inhalte bewusst zu begrenzen.
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Quelle: SRF