Startseite Politik Schutz vor Russland durch Vereinigung? Moldaus Blick nach Rumänien

Schutz vor Russland durch Vereinigung? Moldaus Blick nach Rumänien

Schutz vor Russland durch Vereinigung? Moldaus Blick nach Rumänien

Die Debatte um Moldaus Zukunft entzündet sich nicht an Symbolpolitik, sondern an Sicherheitsfragen. Ein ungelöster Konflikt im Osten des Landes und der wachsende Druck aus Moskau prägen die politische Agenda in der Hauptstadt Chisinau stärker als innenpolitische Reformdebatten.

Gerade lesen andere

In diesem Spannungsfeld hat Präsidentin Maia Sandu zuletzt eine besonders weitreichende Option angesprochen.

Dauerhafte Unsicherheit

Im Osten Moldaus kontrolliert das überwiegend prorussische Transnistrien seit den frühen 1990er-Jahren ein eigenes Gebiet. Russische Truppen sind dort stationiert und der Status des Landstrichs ist international nicht anerkannt.

Transnistrien wird von Russland unterstützt und dient Moskau als Einflussfaktor in Moldau. Die moldauische Regierung warnt seit Jahren vor politischer Einflussnahme und Destabilisierungsversuchen aus Moskau.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat diese Sorgen zusätzlich verschärft.

Ein politisches Signal

Vor diesem Hintergrund äußerte sich Präsidentin Maia Sandu im britischen Podcast „The Rest is Politics“ offen zu einer möglichen Vereinigung mit Rumänien, wie Welt unter Berufung auf Reuters berichtet. Sollte es zu einem Referendum kommen, würde sie dafür stimmen.

Lesen Sie auch

„Schauen Sie sich an, was in der Welt geschieht. Für ein kleines Land wie Moldau wird es immer schwieriger, als Demokratie, als souveränes Land zu überleben und natürlich Russland zu widerstehen.“ Sandus Aussage war weniger als konkreter Plan gemeint, sondern als strategisches Signal.

Rumänien ist Mitglied der Europäischen Union und der Nato und damit Teil jener Strukturen, denen sich Sandu langfristig anschließen will.

Politische Realitäten

Innerhalb Moldaus bleibt die Idee jedoch umstritten. Nach Angaben von Reuters unterstützen aktuelle Umfragen nur rund ein Drittel der Bevölkerung eine Wiedervereinigung mit Rumänien, mit dem Moldau in der Zwischenkriegszeit einen gemeinsamen Staat bildete.

Sandu selbst verweist daher auf den EU-Beitritt als realistischeren Weg. Die Regierung strebt diesen bis 2030 an, was tiefgreifende Reformen voraussetzt. Russland lehnt diesen Kurs ab und betrachtet Moldau weiterhin als Teil seiner Einflusszone.

Damit steht die Präsidentin vor einer strategischen Abwägung: symbolisch starke Optionen versus politisch erreichbare Schritte.

Lesen Sie auch

Identität und Richtung

Die Vereinigungsidee berührt grundlegende Identitätsfragen. Ein Großteil der Bevölkerung spricht Rumänisch, daneben prägen russischsprachige Minderheiten und unterschiedliche historische Erfahrungen aus rumänischer und sowjetischer Zeit die Gesellschaft.

Wie Reuters berichtet, besitzen rund 1,5 Millionen Moldauer auch die rumänische Staatsbürgerschaft. Diese Nähe erleichtert Mobilität, vertieft aber zugleich politische Spannungen im Inneren.

Sandus Vorstoß zeigt weniger einen Fahrplan als ein Dilemma: Wie kann ein kleiner Staat zwischen geopolitischen Machtblöcken dauerhaft bestehen, ohne seine Gesellschaft weiter zu spalten?

Quellen: Reuters, Welt

Lesen Sie auch