Der Kauf von Territorien ist heute kaum vorstellbar, gehörte aber lange zur außenpolitischen Praxis der USA. Besonders auffällig ist dabei ein europäischer Staat, der gleich mehrfach in den Fokus Washingtons rückte.
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Dänemark spielte eine Sonderrolle, weil es über Jahrhunderte strategisch gelegene Gebiete kontrollierte. Zwei Episoden zeigen, wie weit amerikanische Kaufüberlegungen reichten – und wo ihre Grenzen lagen.
Ein Deal mit Folgen
Der einzige formelle Abschluss zwischen den USA und Dänemark blieb der Erwerb der karibischen Inseln Saint Croix, Saint John und Saint Thomas im Jahr 1917. Washington zahlte Gold im Wert von 25 Millionen Dollar, wie n-tv unter Berufung auf dpa berichtet.
Der Zeitpunkt war kein Zufall. Die Karibik galt als sicherheitspolitisch sensibel, weil sie wichtige Seewege kontrolliert und den Zugang zum Panamakanal absichert. Inmitten des Ersten Weltkriegs wollte die US-Regierung verhindern, dass Deutschland im Falle einer Ausweitung des Konflikts Einfluss auf die dänischen Inseln gewinnt.
Aus Dänisch-Westindien wurden die Amerikanischen Jungferninseln. Der Kauf stärkte dauerhaft die militärische und politische Präsenz der USA in der Region.
Ein Versuch im Norden
Ganz anders verlief ein späterer Vorstoß Richtung Arktis. Nach dem Zweiten Weltkrieg prüfte Washington den Erwerb Grönlands, das ebenfalls zum Königreich Dänemark gehört.
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Wie n-tv berichtet, bot die Regierung von Präsident Harry S. Truman Gold im Wert von 100 Millionen Dollar an. Intern wurde die Insel als „völlig wertlos“ bezeichnet – eine zeittypische Argumentation, die wirtschaftliche Erträge über die Interessen der lokalen Bevölkerung stellte.
Dänemark lehnte ab. Der Vorgang verschwand aus der Tagespolitik, blieb aber als sicherheitspolitische Option in US-Strategiepapiere eingebettet.
Zeiten haben sich geändert
Beide Episoden zeigen, wie eng territoriale Käufe an ihre jeweilige Epoche gebunden waren. 1917 dominierte die Logik militärischer Absicherung, nach 1945 die Angst vor neuen globalen Machtverschiebungen.
Heute stehen solchen Geschäften andere Realitäten entgegen: Völkerrecht, Selbstbestimmungsrechte und internationale Bündnisse lassen territoriale Käufe kaum noch zu.
Der Blick zurück macht daher vor allem eines deutlich: Was einst als legitimes Machtinstrument galt, ist heute eher ein historisches Relikt als ein praktikables politisches Modell.
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Quellen: dpa, n-tv