Ein Gewaltverbrechen im Regionalzug erschüttert eine ganze Familie.
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Zahlen zu Übergriffen im Bahnverkehr geben Anlass zur Sorge. Nun hat ein tödlicher Vorfall in einem Regionalzug die Debatte über Sicherheit für Beschäftigte neu entfacht. Erst nach und nach werden die Hintergründe bekannt.
Ein strukturelles Problem
Angriffe auf Bahnmitarbeiter gehören in Deutschland inzwischen zum Alltag. Wie Focus Online unter Berufung auf Angaben des Bundesinnenministeriums berichtet, wurden bis Ende Oktober 2025 fast 3000 Beschäftigte der Deutschen Bahn Opfer von Straftaten, darunter Bedrohungen und Körperverletzungen. Gewerkschaften und Politik warnen seit Langem vor einer wachsenden Hemmschwelle zur Gewalt.
Vor diesem Hintergrund wird ein Fall aus Rheinland-Pfalz besonders aufmerksam verfolgt. Nach Einschätzung der Deutschen Bahn handelt es sich um den ersten tödlichen Angriff dieser Art auf einen Mitarbeiter im Dienst.
Was bisher bekannt ist
Wie Focus Online unter Berufung auf Ermittlungsbehörden berichtet, kam es Anfang der Woche in einem Regionalexpress nahe Landstuhl zu einer Auseinandersetzung während einer Fahrkartenkontrolle. Ein Zugbegleiter wurde dabei so schwer verletzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb.
Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken teilte mit, die vorläufige Obduktion habe eine Hirnblutung infolge massiver Gewalteinwirkung gegen den Kopf ergeben. Nach bisherigem Stand wurden keine Waffen eingesetzt.
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Tatverdächtiger in Haft
Tatverdächtig ist ein 26-jähriger griechischer Staatsbürger. Nach Angaben der Ermittler lebt er eigenen Aussagen zufolge in Luxemburg und war in Deutschland bislang nicht polizeilich bekannt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen, zu den Vorwürfen äußert er sich bislang nicht.
Der Mann hatte keinen gültigen Fahrschein. Als der Zugbegleiter ihn aufforderte, den Zug zu verlassen, eskalierte die Situation, wie Focus Online unter Berufung auf Bild berichtet.
Folgen für die Familie
Nach Angaben von Bild hinterlässt der getötete Bahnmitarbeiter zwei minderjährige Kinder. Angehörige waren bis zuletzt im Krankenhaus bei ihm.
Besonders tragisch: Der Vater des Opfers erlitt nach der Nachricht vom Angriff einen Herzinfarkt, konnte das Krankenhaus aber nach einigen Tagen wieder verlassen, wie die Zeitung berichtet.
Entsetzen und Reaktionen
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach von „roher und sinnloser Gewalt“. Auch die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und dem Saarland äußerten sich geschockt. Bahn-Chefin Evelyn Palla schrieb auf LinkedIn, der Tod des Mitarbeiters mache sie „fassungslos und traurig“.
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Quellen: Focus Online, Bild