Washington drängt auf einen schnellen politischen Durchbruch zur Beendigung des Krieges in der Ukraine, doch an den Gesprächen beteiligte Beamte und Analysten warnen, dass der vorgeschlagene Zeitplan weit von den Realitäten vor Ort entfernt ist.
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Tiefe Streitigkeiten über Territorium, Sicherheitsgarantien und die Innenpolitik beider Länder bremsen den Fortschritt, berichtet Ziarre.com.
März-Frist infrage gestellt
Nach Angaben von Reuters erörterten US-amerikanische und ukrainische Delegationen bei jüngsten Treffen in Abu Dhabi die Möglichkeit, bereits im März ein Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland zu erreichen.
Dieselben Gespräche sollen ein Abkommen mit der Durchführung ukrainischer Wahlen und eines nationalen Referendums im Mai verknüpft haben.
Mehrere mit den Gesprächen vertraute Quellen sagten Reuters, der Zeitplan sei höchst unrealistisch. Jede Vereinbarung müsste in einem Referendum parallel zu den Wahlen bestätigt werden, was zusätzliche logistische und politische Komplexität mit sich bringe.
Washingtons Dringlichkeit
Die Verhandlungen werden auf US-Seite laut Reuters von Präsident Donald Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner geführt. Bei Treffen in Abu Dhabi und Miami hätten sie ukrainische Vertreter zu einem schnellen Vorgehen in Richtung einer Abstimmung gedrängt.
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Quellen zufolge erklärten US-Vertreter, dass Trump mit dem Näherrücken der Kongress-Zwischenwahlen seinen Fokus zunehmend auf innenpolitische Prioritäten verlagern werde. Dadurch verenge sich das Zeitfenster, in dem die Regierung bereit sei, politisches Kapital für ein Ukraine-Abkommen einzusetzen.
Skepsis in Kyjiw
Ukrainische Offizielle zeigen sich skeptisch. Von Reuters zitierte Wahlbehörden in der Ukraine schätzen, dass Wahlen und ein Referendum unter den derzeitigen Bedingungen rund sechs Monate Vorbereitungszeit erfordern würden.
„Die Amerikaner haben es eilig“, sagte eine Quelle Reuters. Zwar ließen sich Verfahren beschleunigen, doch betonten Beamte, dass dies erhebliche Ressourcen und Stabilität voraussetzen würde.
Kyjiw besteht darauf, dass Wahlen und ein Referendum erst nach einer vollständigen und überprüfbaren Waffenruhe stattfinden können. Ukrainische Vertreter bezweifeln, dass Moskau eine solche Feuerpause ohne feste Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten und ihrer westlichen Verbündeten einhalten würde.
Territoriale Blockaden
Reuters berichtet, dass territoriale Streitfragen das größte Hindernis für eine schnelle Einigung bleiben. Russland beansprucht die Kontrolle über die gesamte Region Donezk – eine Forderung, die die Ukraine категорisch zurückweist.
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Mit den Gesprächen vertraute Quellen sagen, Kyjiw könnte alternative Regelungen in Erwägung ziehen, etwa eine entmilitarisierte Zone oder ein spezielles Freihandelsregime. Ein Konsens habe sich jedoch bislang nicht abgezeichnet.
Ein weiterer Streitpunkt ist das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja. Laut Reuters lehnte der Kreml einen Vorschlag des Weißen Hauses zur US-Verwaltung und gemeinsamen Stromverteilung ab. Moskau strebt stattdessen die alleinige Kontrolle an und will Strom zu einem reduzierten Preis an die Ukraine verkaufen – ein Vorschlag, den Kyjiw als inakzeptabel betrachtet.
Risiko Referendum
Selbst wenn die Unterhändler diese Hürden überwinden, warnt Reuters vor einer letzten Ungewissheit: Ukrainische Wähler könnten territoriale Zugeständnisse in einem nationalen Referendum ablehnen und damit ein von den politischen Führungsspitzen ausgehandeltes Abkommen zu Fall bringen.
Quellen: Reuters, Ziarre.com