Zwischen Abfahrt und Ankunft wird im ICE warm serviert.
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Die Currywurst mit Pommes ist eines der meistbestellten Gerichte im ICE. Hunderttausende Reisende greifen jedes Jahr zu dem Klassiker zwischen zwei Stationen.
Doch wie entsteht das Essen, das bei Tempo 300 serviert wird?
Eine Untersuchung des ZDF-Verbraucherformats „besseresser“, über die ZDFheute berichtet, gibt Einblick in die Abläufe hinter den Kulissen. Demnach werden die Speisen im Fernverkehr nicht frisch gekocht, sondern industriell vorproduziert und im Zug lediglich erhitzt.
Allein rund 600.000 Portionen Currywurst verkauft die Deutsche Bahn jährlich. Die Wurst wird vorgegart, vakuumiert und pasteurisiert angeliefert, die Grillstreifen entstehen bereits im Herstellungsprozess. Auch die Pommes kommen tiefgekühlt an Bord.
Logistik statt Küche
Nach Angaben des Unternehmens sind die Bedingungen im Zug ausschlaggebend für dieses Konzept. Platz, Technik und Lagerkapazität sind begrenzt, gleichzeitig schwanken Nachfrage und Fahrpläne.
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Alexander Thies, Leiter Bordservice DB Fernverkehr, erklärte gegenüber ZDF, im Betriebsalltag gehörten wechselnde Uhrzeiten, Gleise und Mengen zur Routine. Flexibilität sei entscheidend, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Die Bahn verweist zudem auf Personal- und Logistikkosten. Das gastronomische Angebot rechne sich wirtschaftlich kaum, es solle vielmehr das Reiseerlebnis ergänzen.
Blick auf die Zutaten
Die ZDF-Analyse nahm mehrere Produkte exemplarisch unter die Lupe. Dabei zeigte sich, dass Haltbarkeit und gleichbleibende Konsistenz zentrale Kriterien sind.
So besteht die Tomatensuppe zu 54 Prozent aus Tomaten. Ergänzt wird sie unter anderem durch Wasser, Glukosesirup, Zitronensaftpulver, Karamellzucker und modifizierte Stärke.
Verbraucherschützerin Britta Schautz sagte ZDFheute, modifizierte Stärke sei typisch für industrielle Systemgastronomie. Sie stabilisiere die Struktur, binde Flüssigkeit und ermögliche kalkulierbare Rezepturen.
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System mit Kalkül
Auch beim „Oriental Falafel-Wrap“ stellte die Redaktion laut Bericht einen hohen Anteil kostengünstiger Zutaten fest. Die Falafel bestehen demnach nur zu rund 40 Prozent aus Kichererbsen.
Beim Apfel-Streusel-Kuchen verzichtet die Bahn auf Butter. Pflanzliche Fette und Zusatzstoffe sorgen stattdessen für Textur und lange Haltbarkeit.
Die Recherchen zeichnen das Bild eines klar durchorganisierten Versorgungssystems. Die von der Bahn beworbene kulinarische Qualität während der Fahrt steht damit weniger für handwerkliche Küche als für Effizienz unter besonderen Bedingungen auf der Schiene.
Quelle: ZDFheute