Startseite Nachrichten Neues ukrainisches Spiel lässt Spieler das Leben in einer belagerten...

Neues ukrainisches Spiel lässt Spieler das Leben in einer belagerten Stadt erleben

Hollow Home
Steam / Twigames Inc.

Das kommende ukrainische Spiel Hollow Home nutzt interaktives Storytelling, um das Leben im belagerten Mariupol darzustellen, und zeigt, wie Spiele zunehmend genutzt werden, um Traumata zu verarbeiten, Erinnerungen zu bewahren und zivile Kriegserfahrungen zu dokumentieren.

Ein neues ukrainisches Videospiel nutzt interaktives Storytelling, um eines der dunkelsten Kapitel der russischen Invasion darzustellen — nicht durch Kämpfe, sondern durch Überleben, Erinnerungen und den emotionalen Zerfall des Alltagslebens im Krieg.

Das kommende Spiel Hollow Home versetzt die Spieler in die Belagerung von Mariupol aus der Perspektive eines 14-jährigen Jungen und spiegelt damit eine breitere Bewegung in ukrainischer Kunst und Spieleentwicklung wider, die Kultur zunehmend nutzt, um Traumata zu verarbeiten, Erinnerungen zu bewahren und das Leben im Krieg zu dokumentieren.

Eine Kriegsgeschichte ohne Kämpfe

Laut dem ukrainischen Medium Village soll das erzählorientierte Spiel Hollow Home später im Jahr 2026 auf Steam erscheinen.

Das Spiel wird vom ukrainischen Studio Twigames entwickelt und international vom deutschen Publisher Crunchy Leaf Games unterstützt. Im Mittelpunkt steht Maksym, ein Teenager, der versucht, die ersten Wochen der russischen Vollinvasion in Mariupol zu überleben.

Anstatt sich auf Feuergefechte oder militärische Aktionen zu konzentrieren, dreht sich das Spiel um das Überleben von Zivilisten.

Die Spieler suchen nach Nahrung und Vorräten, helfen anderen Überlebenden und treffen moralische Entscheidungen, während die Stadt um sie herum langsam zusammenbricht.

Die Entwickler verzichteten bewusst auf traditionelle Kampfmechaniken und gestalteten die Erfahrung stattdessen rund um Dialoge, psychologischen Druck und die emotionale Erschöpfung des Lebens unter Belagerungsbedingungen.

Videospiele als Zeugnis

Das Projekt zeigt, wie Videospiele zunehmend nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als Form kulturellen Zeugnisses genutzt werden.

Wie Film, Literatur oder Malerei werden erzählerische Spiele zu einem Medium, durch das Gesellschaften Gewalt, Trauer und historische Traumata verarbeiten.

In Hollow Home wird die Stadt selbst Teil der Erzählung.

Die zerstörten Straßen von Mariupol werden nicht als Schlachtfeld dargestellt, das erobert werden muss, sondern als Ort, an dem das normale Leben durch den Krieg langsam ausgelöscht wird.

Dieser Fokus auf zivile Erfahrungen hat dem Projekt Anerkennung innerhalb der Spielebranche eingebracht, darunter Auszeichnungen bei Games Gathering 2024 und Indie Cup Ukraine.

Kunst im Krieg

Das Spiel erscheint zudem inmitten einer breiteren Welle ukrainischer Kulturprojekte, die Krieg, Unterdrückung und nationale Identität durch Kunst thematisieren.

Ein weiteres aktuelles ukrainisches Spiel, The Hollow, orientiert sich an Iwan Bahrianyjs Roman Tigerjäger und behandelt sowjetische Repressionen durch eine alternative Geschichtserzählung rund um eine geheime Gulag-Anlage in Sibirien.

Beide Projekte spiegeln einen größeren Trend wider, der sich seit 2022 in ukrainischer Literatur, Filmkunst, Musik und Spieleentwicklung entwickelt hat: Kunst wird nicht nur genutzt, um Krieg zu dokumentieren, sondern auch, um ihn emotional zu überleben.

Dasselbe Thema findet sich in der kommenden Veröffentlichung Ukrainian Lessons der Journalistin Charlotte Higgins, die untersucht, wie Kultur, Kreativität und Alltag unter einer Invasion weiterbestehen.

Mehr als Unterhaltung

Die wachsende internationale Aufmerksamkeit für Spiele wie Hollow Home zeigt zudem, wie sich interaktive Medien als Erzählwerkzeug weiterentwickeln.

Im Gegensatz zu traditionellen Kriegsspielen, die sich auf Kampf, Sieg oder militärischen Realismus konzentrieren, versuchen Projekte wie dieses, die Spieler in die Unsicherheit, Angst und moralische Belastung zu versetzen, die Zivilisten erleben.

Das Ergebnis dreht sich weniger um Action als um Empathie.

Während der Krieg die moderne ukrainische Kultur zunehmend prägt, nutzen Entwickler Spiele nicht nur, um Konflikte nachzustellen, sondern um die Frage zu stellen, wie Menschen weiterhin inmitten davon leben.

Quellen: Village, U24 Media