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Er verbrachte die ersten 18 Jahre seines Lebens in einem Keller, bevor er die Außenwelt sah

Feldkirchen Austria Village square
HelgaQ / Shutterstock.com

Eine Familie, die einst durch Schlagzeilen bekannt wurde, lebt heute zurückgezogen. Der Fall ist weiterhin öffentlich bekannt, doch den Menschen, die ihn überlebt haben, wurde Raum zur Erholung gegeben.

Sein Name ist Stefan Fritzl, und er wurde weltweit bekannt wegen der Verbrechen, die an ihm, seiner Mutter und seinen Geschwistern begangen wurden.

Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht öffentlich bekannt. Nach seiner Rettung im Jahr 2008 wurden er und seine Familie in eine geschützte Lebenssituation fernab der weltweiten Aufmerksamkeit gebracht, die dem Kellerfall von Amstetten folgte.

Laut All That’s Interesting erhielten Elisabeth Fritzl und ihre Kinder später Zugang zu medizinischer Versorgung, Therapie und Schutz. Ihre Zurückgezogenheit wurde als notwendig angesehen, nicht als nebensächlich.

Das ist wichtig, weil Stefan durch Missbrauch bekannt wurde, den er nie selbst öffentlich machen wollte. Für Überlebende langjähriger Gefangenschaft kann wiederholte öffentliche Aufmerksamkeit die Genesung zu einer weiteren öffentlichen Belastung machen.

Die Geschichte hinter der Rettung

Stefan wurde am 1. Februar 1990 geboren, während seine Mutter Elisabeth Fritzl in einem versteckten Keller unter dem Familienhaus in Amstetten in Österreich gefangen gehalten wurde.

All That’s Interesting schreibt, dass Elisabeth dort seit 1984 von ihrem Vater Josef Fritzl eingesperrt worden war, der anderen erzählte, sie sei weggelaufen und habe sich einer Sekte angeschlossen.

Josef war sowohl der Großvater der Kinder als auch ihr Vater, weil er Elisabeth während ihrer Gefangenschaft wiederholt vergewaltigte.

Für Stefan und die unter der Erde festgehaltenen Kinder war er außerdem die einzige regelmäßige Verbindung zur Außenwelt.

Das Geheimnis kam 2008 ans Licht, nachdem Kerstin, eines der Kinder, schwer krank geworden war und in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Elisabeth gab ihrer Tochter einen Zettel mit, auf dem stand: „Bitte, bitte helfen Sie ihr. Kerstin hat wirklich große Angst vor anderen Menschen. Sie war noch nie in einem Krankenhaus.“

Das Krankenhauspersonal alarmierte die Behörden. Als die Polizei Elisabeth ohne Josefs Anwesenheit befragte, berichtete sie von den Jahren des Missbrauchs und der Gefangenschaft unter dem Haus.

Die Außenwelt war fremd

Nach Josefs Verhaftung wurden Stefan und Felix aus dem Keller gebracht. The Guardian berichtete, dass die Jungen glaubten, sie seien im „Himmel“, weil Elisabeth ihnen gesagt hatte: „Der Himmel ist dort oben.“

Die Zeitung schrieb außerdem, dass sie große Schwierigkeiten hatten, mit Menschen außerhalb der Familie zu kommunizieren.

Leopold Etz, ein Polizeibeamter in Niederösterreich, sagte: „Wenn sie sich ausdrücken wollen, versuchen sie so zu sprechen, dass andere sie verstehen können. Aber es ist klar, dass sie dafür enorme Anstrengungen aufbringen müssen.“

Andere Berichte beschrieben gesundheitliche Probleme infolge der Bedingungen unter der Erde, darunter geschwächte Körper und Auswirkungen jahrelangen Mangels an Sonnenlicht.

Josef Fritzl wurde verurteilt und inhaftiert. Elisabeth und ihre Kinder wurden der Öffentlichkeit entzogen und erhielten Unterstützung beim Wiederaufbau ihres Lebens.

Eine öffentliche Danksagung

In den Monaten nach der Rettung begann die Familie langsam und auf begrenzte Weise mit der Außenwelt zu kommunizieren.

Laut The Independent gestalteten Elisabeth Fritzl und ihre Kinder handgemalte Plakate, die in Amstetten ausgestellt wurden, um den Einwohnern für ihre Unterstützung zu danken, nachdem der Fall öffentlich geworden war.

„Wir, die ganze Familie, möchten die Gelegenheit nutzen, euch allen für euer Mitgefühl mit unserem Schicksal zu danken“, hieß es in einer Nachricht. „Euer Mitgefühl hilft uns sehr, diese schwierige Zeit zu überstehen, und zeigt uns, dass es hier auch gute und ehrliche Menschen gibt, die sich wirklich um uns kümmern.“

Die mit Blumen, Herzen und Regenbögen verzierten Plakate sollen Teil der Therapie der Familie gewesen sein, während sie in der Klinik Amstetten-Mauer behandelt wurden.

Stefan, der damals 18 Jahre alt war, schrieb, dass er seine Schwester Kerstin vermisse, und fügte hinzu: „Ich mag die Sonne, die frische Luft und die Natur.“

Medizinisches Personal erklärte, dass die Anpassung an ein normales Leben langsam erfolgen müsse. Berthold Kepplinger, Leiter der Klinik, sagte gegenüber The Independent, dass Elisabeth und die Kinder weiterhin Therapie benötigten, um sich nicht nur an Tageslicht, sondern auch an offene Räume und normale alltägliche soziale Kontakte zu gewöhnen.

Heute lebt die Familie weiterhin abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit, während Josef Fritzl, inzwischen 91 Jahre alt, weiterhin in Österreich wegen der mit dem Fall verbundenen Verbrechen inhaftiert ist.

Berichte der vergangenen Jahre deuteten darauf hin, dass sich Josef Fritzls Gesundheitszustand im Gefängnis verschlechtert hat. Mit nun 91 Jahren hat er fast ebenso lange in Haft verbracht, wie Stefan unter dem Haus eingesperrt war, und die österreichischen Behörden werden ihn voraussichtlich nicht freilassen.

Quellen: All That’s Interesting, The Guardian, The Independent