Die Geschichte des Fernsehens wird von Wandel, Gewohnheiten und den seltenen Formaten geprägt, die beides vereinen können.
Die Fernsehgeschichte ist voller gescheiterter Experimente, vergessener Erfolge und einst riesiger Titel, die heute wie Gefangene ihrer eigenen Zeit wirken.
Doch eine kleinere Gruppe fiktionaler Serien hat etwas Seltenes geschafft: Sie ist über Generationen hinweg Teil des öffentlichen Alltags geblieben.
Im Mittelpunkt stehen hier fiktionale Fernsehformate: geskriptete Dramen, Seifenopern, Sitcoms und Animationsserien, wobei Kinderprogramme getrennt von Unterhaltung für Erwachsene betrachtet werden.
Die Serien, die immer wieder neue Zuschauer finden
Kinderfernsehen erhält ständig ein neues Publikum. Ein fünfjähriges Kind kümmert sich nicht darum, ob eine Figur schon existierte, bevor seine Eltern geboren wurden.
Das erklärt zum Teil die außergewöhnliche Langlebigkeit der Sesamstraße.
Die amerikanische Bildungssendung startete 1969 und vermittelt Kindern seit mehr als einem halben Jahrhundert Buchstaben, Zahlen und soziale Kompetenzen.
Das Programm ist kürzlich in eine neue Netflix-Ära eingetreten und bleibt zugleich in den USA weiterhin kostenlos über PBS zugänglich.
Großbritanniens Blue Peter gehört seit Oktober 1958 zum Fernsehprogramm. Fast sieben Jahrzehnte lang hat die magazinartige Kindersendung Bastelideen, Interviews, Herausforderungen und Live-Studiomomente für junge Zuschauer kombiniert.
Animation bietet Kinderserien eine weitere Möglichkeit, beinahe unbegrenzt im Fernsehen zu bleiben. Ein vertrautes deutsches Beispiel ist Unser Sandmännchen: Die Stop-Motion-Puppenanimation sendet seit 1959 Gute-Nacht-Geschichten und kurze Abenteuer.
Japans Sazae-san wiederum unterhält Zuschauer seit 1969 ohne Unterbrechung und wird vom Guinness-Buch der Rekorde als die am längsten laufende animierte Fernsehserie der Welt anerkannt.
Animationsserien für Erwachsene können die Zeit anhalten
Im Bereich der Erwachsenenanimation ist The Simpsons der offensichtliche Gigant. Bevor die Serie 1989 zu einer eigenständigen Fox-Produktion wurde, begann sie bescheiden als kurze Zeichentricksketche in der The Tracey Ullman Show.
Inzwischen bewegt sich die Serie auf vier volle Jahrzehnte im Fernsehen zu, nachdem Fox sie bis Staffel 40 verlängert hat.
Ihr Erfolgsrezept ist einfach, aber wirkungsvoll: Springfield verändert sich genug, um modernes Leben aufzugreifen, aber nicht genug, um das Grundkonzept zu zerstören. Homer arbeitet noch immer, Bart benimmt sich weiterhin daneben, Lisa macht sich weiterhin Sorgen, und die Familie landet am Ende wieder auf dem Sofa.
South Park hat einen anderen Weg eingeschlagen. Seit dem Start 1997 hat die Serie überlebt, indem sie schnell auf politische Debatten, Internetkultur und aktuelle Ereignisse reagiert. Erwachsenenanimation kann wie eine Zeitungskarikatur mit festem Figurenensemble funktionieren.
Seifenopern und Krimiserien schaffen Gewohnheiten
Seifenopern sind das Langzeitspiel des Fernsehens. Coronation Street lief erstmals im Dezember 1960 im britischen Fernsehen und begleitet seit mehr als 65 Jahren die Bewohner von Weatherfield.
Ihre Geschichte ist eng mit William Roache verbunden, der Ken Barlow seit der allerersten Folge ohne Unterbrechung spielt und den Guinness-Weltrekord für die längste Zeit in derselben Fernsehrolle hält.
Guinness erkennt außerdem Coronation Street selbst als die am längsten laufende Fernsehseifenoper der Welt an.
Ihre Stärke liegt nicht im Spektakel. Sie liegt in der Ansammlung von Geschichten. In Coronation Street kann ein neuer Streit im Pub oder ein Familiengeheimnis auf jahrzehntealten Konflikten aufbauen, was selbst alltäglichen Szenen zusätzliches Gewicht verleiht.
Auch die Krimiserie hat ihren eigenen Dauerläufer. Mit Tatort gibt es ein Format, das seit 1970 läuft und sich seit mehr als fünf Jahrzehnten durch wechselnde Ermittler, Städte und Erzählstile erneuert, ohne seine Identität aufzugeben.
Im Science-Fiction-Bereich steht Doctor Who. Die BBC-Serie startete ursprünglich 1963, endete nach Staffel 26 im Jahr 1989, als die BBC keine neuen regulären Folgen mehr in Auftrag gab, und kehrte nach einem einzelnen Fernsehfilm 1996 schließlich 2005 richtig zurück.
Mehr als 60 Jahre nach dem ersten Auftreten des Doctors produziert die Serie noch immer neue Abenteuer und führt neue Schauspieler in die Rolle ein.
Sitcoms altern selten gut
Realfilm-Sitcoms altern meist schlecht, weil sich Schauspieler, Mode und komödiantische Rhythmen verändern. Das macht Last of the Summer Wine ungewöhnlich. Die BBC-Komödie blieb 37 Jahre lang auf Sendung, bevor sie 2010 nach 31 Staffeln endete.
In den Vereinigten Staaten ist It’s Always Sunny in Philadelphia zum modernen Beispiel für die Beständigkeit einer Sitcom geworden. Die Comedyserie debütierte 2005 und begleitet nun seit mehr als zwei Jahrzehnten die egoistischen und chaotischen Besitzer von Paddy’s Pub.
Für fiktionale Serien gibt es keine einzige Erfolgsformel. Kinderprogramme leben von Erneuerung. Animationsserien können ihre Figuren für immer jung halten. Seifenopern belohnen tägliche oder wöchentliche Treue. Krimiserien profitieren von flexiblen Strukturen. Sitcoms brauchen entweder außergewöhnliche Wärme oder eine sehr scharfe komödiantische Identität.
Die Serien, die immer wieder zurückkehren, sind nicht unbedingt die modischsten. Es sind jene, deren Abwesenheit seltsam wirken würde.
Quellen: BBC, Guinness World Records, Britannica