In Grönland können große Entfernungen Personalmangel zu einem landesweiten Gesundheitsproblem machen. Eine neue Vereinbarung soll dort für mehr Kontinuität sorgen, wo die Rekrutierung schwierig war.
Dänemark wird Gesundheitspersonal erlauben, im Rahmen einer neuen Vereinbarung vorübergehende Einsätze in Grönland zu übernehmen. Ziel ist es, den Personalmangel im Gesundheitssystem des Gebiets zu lindern.
Die Vereinbarung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Donald Trump erneut Aufmerksamkeit auf Grönland gelenkt hat, unter anderem mit früheren Äußerungen über die Entsendung eines Hospitalschiffs. Der Vorschlag wurde abgelehnt, verschärfte jedoch die Debatte über Versorgungslücken innerhalb des dänischen Königreichs.
Das grönländische Gesundheitssystem versorgt ein riesiges Gebiet mit einer kleinen, verstreut lebenden Bevölkerung. Die Rekrutierung ausreichender Zahlen von Ärzten, Pflegekräften, Hebammen und psychiatrischem Fachpersonal bleibt schwierig – insbesondere in der Notfallversorgung, Geburtshilfe und psychischen Gesundheitsdiensten.
Im Rahmen der Vereinbarung können dänische Krankenhausabteilungen dabei helfen, Vollzeitstellen in Grönland für vereinbarte Zeiträume zu besetzen. Freiwillige Beschäftigte übernehmen zeitlich begrenzte Einsätze, bevor sie an ihre regulären Arbeitsplätze in Dänemark zurückkehren.
Grönlands Ministerin für Gesundheit und Behinderungen, Anna Wangenheim, begrüßte die Vereinbarung.
„Ich freue mich sehr über die Vereinbarung, die nun erzielt wurde“, sagte sie laut TV 2 Dänemark.
Die Vereinbarung hat Grenzen
Das Programm wird von den grönländischen Gesundheitsbehörden geleitet, die festlegen sollen, wo Unterstützung benötigt wird. Dänische Abteilungen werden anschließend Personal im Rotationssystem entsenden.
Die Beschäftigten werden nach grönländischen Tarifvereinbarungen bezahlt, während der dänische Staat zusätzlich einen gesonderten Zuschlag gewährt.
Das könnte helfen, Personal anzuziehen, wirft jedoch auch Fragen zu ungleichen Gehältern zwischen vorübergehend entsandten dänischen Beschäftigten und dauerhaft in Grönland angestellten Mitarbeitern auf.
Grönländische Pflegekräfte beobachten den Plan aufmerksam. Navarana Johansen, Vorsitzende der grönländischen Pflegeorganisation PK, sagte, das System könne kurzfristige Engpässe lösen, aber nicht unbedingt das grundlegende Problem.
„Es besteht Bedarf, Kontinuität im grönländischen Gesundheitssystem sicherzustellen“, sagte sie dem dänischen Fernsehsender.
Politik überschattet den Plan
Trumps erneutes Interesse an Grönland hat der Diskussion über das Gesundheitswesen eine politische Dimension verliehen.
Der US-Gesandte Jeff Landry kritisierte kürzlich den dänischen Widerstand gegen eine stärkere amerikanische Beteiligung, berichtete Fox News.
Die neue Gesundheitsvereinbarung bedeutet jedoch keine Übernahme der Verantwortung. Grönland übernahm 1992 die Kontrolle über sein Gesundheitssystem, und die geografischen Bedingungen machen eine vollständige Gleichstellung mit dem dänischen Gesundheitswesen schwierig.
Dänische Behörden betonen, dass das Programm die Krankenhäuser in Dänemark nicht spürbar schwächen werde. Die erste Finanzierungsrunde soll sich Berichten zufolge auf 2 Millionen Euro belaufen.
Für die Patienten in Grönland wird der eigentliche Test praktischer Natur sein: ob sich genügend Fachkräfte freiwillig melden, ob die Rotationen stabil funktionieren und ob temporäre Hilfe langfristige Kontinuität schaffen kann.
Quellen: TV 2 Denmark, Fox News