Behörden verschärfen die Kontrolle großer digitaler Marktplätze in Europa. Die jüngste Maßnahme zeigt die wachsende Sorge über Standards, Aufsicht und Verbraucherschutz im Internet.
EU-Behörden haben gegen Temu eine Geldstrafe von 200 Millionen Euro verhängt, nachdem festgestellt wurde, dass die Shoppingplattform Risiken im Zusammenhang mit unsicheren und illegalen Produkten für europäische Verbraucher nicht ausreichend bewertet hat.
Laut TV 2 und der Europäischen Kommission umfasst der Fall unter anderem defekte Ladegeräte, gefährliches Babyspielzeug und mutmaßlich illegale Angebote auf der Plattform.
Die Kommission erklärte, dass Produkttests gezeigt hätten, dass viele über Temu verkaufte Ladegeräte grundlegende Sicherheitsprüfungen nicht bestanden.
Außerdem verwies sie auf Babyspielzeug, das eine Erstickungsgefahr darstellen oder Chemikalien oberhalb der in der EU zulässigen Grenzwerte enthalten könnte.
Behörden fanden weitergehende Probleme
Die Geldstrafe wurde im Rahmen des Digital Services Act (DSA) verhängt – jenes EU-Gesetzes, das große Onlineplattformen verpflichtet, Verantwortung für Risiken im Zusammenhang mit ihren Diensten zu übernehmen.
Für große Marktplätze sehen die Regeln strengere Kontrollen illegaler Waren, klarere Meldungen an Behörden, mehr Transparenz und besseren Verbraucherschutz vor.
Temu, das zu PDD Holdings gehört, expandierte nach dem Start in der Region im Jahr 2023 rasch in Europa.
Die niedrigen Preise und das breite Produktsortiment verschafften dem Unternehmen Aufmerksamkeit, führten aber auch zu wachsender Kritik von Verbraucher- und Wirtschaftsverbänden.
Das Unternehmen wurde später in die strengste EU-Kategorie für Onlineplattformen eingestuft. Behörden erklärten, Temu habe die Gefahren im Zusammenhang mit illegalen Produkten auf seinem Marktplatz nicht ausreichend erläutert.
Die Strafe setzt ein Zeichen
Laut TV 2 handelt es sich um die bislang höchste Strafe im Rahmen des Digital Services Act. Sie übertrifft die frühere DSA-Strafe gegen X.
Die Summe ist erheblich, doch der Fall könnte noch nicht abgeschlossen sein. Die EU überprüft Temu weiterhin auf mehreren Ebenen, darunter hinsichtlich illegaler Produkte und des Plattformdesigns.
Dänische Verbraucher- und Wirtschaftsverbände begrüßten das härtere Vorgehen.
Dansk Erhverv, eine der größten Wirtschafts- und Handelsorganisationen Dänemarks, die Unternehmen aus Einzelhandel, E-Commerce und dem Dienstleistungssektor vertritt, erklärte, die Entscheidung sei notwendig gewesen, da ausländische Verkäufer auf Online-Marktplätzen unfairen Wettbewerb für europäische Unternehmen schaffen könnten, die sich an EU-Regeln halten.
Temu bezeichnete die Strafe laut TV 2 als „unverhältnismäßig“. Das Unternehmen erklärte, der Fall beziehe sich auf eine frühere Bewertung und spiegele nicht die aktuellen Systeme wider.
Temu erklärte außerdem, man habe mit der Kommission kooperiert und zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um Plattformmanagement, Nutzerschutz und interne Kontrollen zu stärken.
Das Unternehmen muss der Kommission bis August mitteilen, wie es die von den Behörden festgestellten Probleme beheben will. Weitere Sanktionen bleiben möglich, falls EU-Beamte die Reaktion des Unternehmens als unzureichend bewerten.
Quellen: TV 2, Europäische Kommission