In Moskau wird ein roter Teppich für einen seltenen Staatsgast ausgerollt.
Die diplomatische Offensive kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für das Gastgeberland, das dringend versucht, seinen angeschlagenen Ruf auf dem afrikanischen Kontinent wiederherzustellen.
Auf der Suche nach neuen Verbündeten
Der russische Präsident Wladimir Putin bereitet sich darauf vor, die tansanische Präsidentin Samia Suluhu Hassan im Kreml zu empfangen. Der dreitägige Staatsbesuch, der am Mittwoch begann, ist der erste Besuch eines tansanischen Staatschefs in Moskau seit 1969.
Nach Angaben der russischen Staatsnachrichtenagentur TASS planen die beiden Staatschefs, regionale Fragen zu erörtern und die Grundlagen für den dritten Russland-Afrika-Gipfel zu legen. Es wird erwartet, dass sie eine Reihe von Abkommen unterzeichnen, die Hochschulbildung, Wissenschaft und Finanzinvestitionen umfassen.
Die ostafrikanische Staatschefin wird eine Ehrendoktorwürde erhalten und ihre Wirtschaftsstrategie auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg vorstellen. Doch hinter den formellen Staatsbanketten und Geschäftstreffen spielt sich ein weitaus größeres geopolitisches Ringen ab.
Das Mali-Desaster
Diese diplomatische Offensive folgt auf einen katastrophalen Frühling für die russischen Operationen in Westafrika. Im April deckten koordinierte Angriffe von Dschihadisten- und Separatistengruppen erhebliche Schwächen in Moskaus militärischer Reichweite im gesamten Sahel auf.
Rebellenkämpfer zwangen Russlands Afrika-Korps, die strategisch wichtige nördliche Stadt Kidal in Mali aufzugeben. Der gewaltsame Aufstand forderte auch das Leben des malischen Verteidigungsministers, der die enge Allianz seines Landes mit Moskau orchestriert hatte, wie The Guardian berichtete.
Der plötzliche Zusammenbruch beschädigte Russlands Image als zuverlässiger Sicherheitspartner erheblich. Ibrahim Yahaya Ibrahim, Analyst bei der International Crisis Group, sagte The Guardian, die Situation in Mali „beeinträchtige definitiv die Glaubwürdigkeit der russischen Interventionen in der Region“.
Ein anderer Ansatz
Das Afrika-Korps, das die berüchtigte Söldnergruppe Wagner ersetzte, hat Mühe, die Kontrolle zu behalten, was den Kreml verzweifelt nach einem diplomatischen Erfolg suchen lässt. Durch die Hinwendung zu Tansania versucht Moskau der Welt zu zeigen, dass es immer noch stabile, willige Partner hat.
Tansania bietet eine völlig andere Art von Beziehung als die angeschlagenen Militärjuntas im Westen. TASS berichtete, dass ein spezielles russisch-tansanisches Wirtschaftsforum sich stark auf die Infrastrukturentwicklung und die Verbesserung des Unternehmensumfelds konzentrieren wird.
Es gibt keine Erwähnung von Söldnern oder Militärinterventionen. Stattdessen hofft Putin, eine sanftere Form des Einflusses zu projizieren, die auf Technologie, Bildung und Handel basiert.
Eine gut sichtbare Partnerschaft mit Tansania könnte andere afrikanische Hauptstädte beruhigen, dass Russland ein wertvoller Verbündeter bleibt, selbst wenn seine Streitkräfte anderswo straucheln.
Quellen: TASS, The Guardian, International Crisis Group